Handwerk pocht auf den Meisterbrief

Wichtig für die Nachwuchsgewinnung
Für das Handwerk in Deutschland bleibt die Zukunft des Meisterbriefs ein heißes Eisen. Das wurde am Rande der Handwerkermesse deutlich.Das Handwerk in Deutschland befürchtet trotz Zugeständnissen aus Brüssel eine Abwertung des Meisterbriefs. Um das hohe Qualifikationsniveau zu halten, müsse der Meisterbrief die Zugangsvoraussetzung für viele Handwerksberufe bleiben, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Zahntechniker-Innungen, Uwe Breuer, bei der Handwerksmesse in München: "Hände weg vom Meisterbrief."

Zum Auftakt der Messe am Mittwoch hatte ein hochrangiger Vertreter der EU-Kommission versichert, Brüssel werde den Meisterbrief nicht verändern. Unklar bleibt aber, wie weit dieses Zugeständnis reicht. Derzeit prüft die Behörde, wie der Zugang zu reglementierten Berufen in den Ländern erleichtert werden kann, um dadurch Abhilfe gegen den Fachkräftemangel zu schaffen. Wichtig ist dem deutschen Handwerk vor allem, dass der Meisterbrief die Eintrittskarte für die Selbstständigkeit in bestimmten Berufen bleibt.

Der Wegfall der Meisterpflicht für viele Berufe im Jahr 2004 habe gezeigt, wohin die Lockerungen führten, sagte Breuer. So habe sich die Zahl der Fliesenleger zunächst verdoppelt, nach fünf Jahren waren etliche Betriebe aber wieder verschwunden, weil sie die Anforderungen des Berufs unterschätzt hätten.

Die teilweise Abschaffung der Meisterpflicht werde inzwischen von fast allen Vertretern des Handwerks als Fehler gesehen, sagte auch DGB-Vorstandsmitglied Dietmar Hexel. "Denn statt des angeblich frischen Windes für die wirtschaftliche Entwicklung im Handwerk hat die Abschaffung einer Mindestqualifikations-Voraussetzung in den betroffenen Berufen vor allem prekäre Solo- und Schein-Selbstständigkeiten befördert."

Auch für die Ausbildung junger Leute ist der Meisterbrief aus Sicht der Handwerker von größter Bedeutung. "Eine Abkehr von der Meisterqualifikation würde auch zu einer spürbaren Verringerung der Ausbildungsleistung in unseren Handwerken führen", warnte der Präsident des Deutschen Fleischer-Verbandes, Heinz-Werner Süss.

Die Lage ist für viele Firmen so gut wie seit Jahren nicht mehr. In einer Umfrage unter 3100 Betrieben bewerteten fast zwei Drittel ihre Situation als gut oder sehr gut. Dies sei der höchste Stand seit zehn Jahren, teilte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit.
© Südwest Presse 14.03.2014 07:45
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