Rentner geraten verstärkt ins Visier des Finanzamts

Für jeden neuen Jahrgang steigt der steuerpflichtige Teil der Alterseinkünfte
  • Im Alter ist man aufeinander angewiesen - und auf die Rente. Foto: dpa
Immer mehr Rentner müssen Einkommensteuer bezahlen. Dadurch bleibt von Rentenerhöhungen netto weniger übrig als erhofft. Für die Mütterrente, die ab Juli verdoppelt wird, gelten eigene Regeln.Ab 1. Juli winkt Senioren mehr Geld: Noch im März dürfte festgelegt werden, um wie viel ihre Renten in diesem Jahr steigen. Das Plus könnte im Westen mit 2,1 Prozent deutlich höher ausfallen als 2013, als die Erhöhung mit 0,25 Prozent sehr mager war, schätzte zuletzt das Arbeitsministerium. Zudem soll die Mütterrente für jedes Kind um etwa 28 EUR im Monat aufgestockt werden. Netto bleibt allerdings für manchen weniger übrig. Denn es geht nicht nur die Kranken- und Pflegeversicherung ab. Immer mehr Rentner müssen auch Einkommensteuer zahlen.

Seit 2005 die Besteuerung der Alterseinkünfte reformiert wurde, steigt die Belastung für jeden Rentnerjahrgang. Wer 2005 und früher in Rente ging, muss 50 Prozent des Monatsbetrags versteuern. Dieser Anteil erhöht sich jährlich um 2 Prozentpunkte. Für die Neurentner dieses Jahres sind es schon 68 Prozent.

Die große Mehrheit der Rentner kommt nach den Erfahrungen von Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine trotzdem ohne Steuer davon. Denn das Existenzminimum von derzeit 8354 EUR im Jahr (Ehepaare das Doppelte) bleibt immer steuerfrei. Zudem können auch Senioren die Werbungskostenpauschale nutzen und Versicherungsbeiträge absetzen. Es gilt die Faustformel: Ein lediger Neurentner mit maximal 1225 EUR Bruttorente im Monat zahlt gar keine Steuern - es sei denn, er oder sie hätte noch andere Einkünfte, etwa eine Betriebsrente oder Mieten.

Wie viel Rente steuerfrei bleibt, legt das Finanzamt im Jahr des Renteneintritts fest, und zwar als festen Euro-Betrag, der lebenslang unverändert bleibt. Folge: Rentenerhöhungen sind voll steuerpflichtig und nicht nur mit dem Besteuerungs-Prozentsatz. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Bei der Mütterrente handelt es sich nach Angaben des Bundesfinanzministeriums nicht um eine "regelmäßige Rentenanpassung". Vielmehr gab es schon bisher 28 EUR pro Kind, und dieser Betrag wird verdoppelt. Daher muss das Finanzamt den Rentenfreibetrag neu ermitteln, und zwar auf Basis des ursprünglichen Rentenbeginns. Wer beispielsweise 2010 in Rente ging, muss nur 60 Prozent der erhöhten Mütterrente versteuern.

Wem die Steuerpflicht droht, für den kann es sich lohnen, Belege zu sammeln. Denn er kann manche Kosten absetzen - etwa eine Kranken-Zusatzversicherung, Kirchensteuer oder Spenden.

Umgekehrt sollte keiner meinen, dass das Finanzamt nichts von den Alterseinkünften erfährt. Seit 2005 müssen nicht nur die Rentenversicherer diese an eine zentrale Stelle melden, sondern auch private Lebensversicherer und Versorgungswerke. Aufgrund dieser Daten kann das Finanzamt Rentner auffordern, eine Steuererklärung abzugeben. Da der Aufbau dieses Verfahrens lange dauerte, wurden viele erst 2012 und 2013 dazu verpflichtet, und das zum Entsetzen der Betroffenen auch für frühere Jahre. Inzwischen sind diese Altverfahren nach Nölls Erfahrungen abgeschlossen.

Einige hundert oder gar tausend Euro können übrigens Senioren vom Finanzamt zurückbekommen, die nur eine niedrige Rente haben, aber erhebliche Einkünfte aus Kapitalanlagen wie Sparbuch, Festgeld oder Anleihen: Von den Zinsen werden 25 Prozent Abgeltungsteuer abgezogen. Sie werden wie eine Steuervorauszahlung berücksichtigt, solange der persönliche Steuersatz unter 25 Prozent liegt.

Ratschläge und Hilfe auf alle Fragen bieten Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine. Auch eine Steuersoftware gibt Hinweise.
© Südwest Presse 04.03.2014 07:45
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