KOMMENTAR: Image im Keller

In London hält man zusammen. Britische Banker können sich auf ihre Regierung verlassen, nicht nur, wenn es um den Finanzplatz London geht. Jetzt klagt Großbritannien vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die von der EU verfügte Deckelung der Boni für Banker auf zwei Jahresgehälter. Was den britischen Steuerzahler, der bereits für die Rettung etlicher Banken tief in die Tasche greifen musste, noch einmal Anwaltskosten von 1,2 Millionen Euro kosten dürfte.

Man gewinnt fast den Eindruck, dass es den Bankern in London schlecht gehen muss und manche sogar am Hungertuch nagen, wenn sich jetzt die Regierung so für sie einsetzt. Im Ernst: Haben die Politiker in London keine anderen Sorgen? Wurde nicht an der Themse der Interbankenzins Libor von Bankern manipuliert? Haben dort nicht hochbezahlte Banker getrickst und betrogen? Haben auch dort nicht etliche Häuser allzu riskante Wetten abgeschlossen? Und häufen sich nicht Meldungen, dass einige Institute schon wieder satte Gewinne einfahren, während die Realwirtschaft auf der Insel nur langsam vom Fleck kommt? Die Banken, zumindest jenseits des Ärmelkanals, tun jedenfalls viel dafür, dass ihr Image im Keller bleibt. Deutsche Großbanken dürften über die Vorgänge in London wenig begeistert sein. Zu Recht.
© Südwest Presse 27.09.2013 07:45
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