Der Sanierer geht

Gerd Häusler gibt Vorstandsvorsitz bei BayernLB zum Jahresende ab
  • Zeit, zu gehen: Bayern-LB-Chef Gerd Häusler scheidet früher aus. Foto: dpa
Der Bayern LB steht ein Führungswechsel ins Haus: Vorstandschef Gerd Häusler scheidet zum Jahresende aus. Die angeschlagene Staatsbank in München steht noch mitten in der Sanierung.In der deutschen Bankenlandschaft wird ein Chefsessel frei. Gesucht: Ein erfahrener Profi, der sich mit Sanierungsfällen auskennt und mit dem bayerischen Finanzminister Markus Söder (CSU) klarkommt. Geboten: Ein Arbeitsplatz mitten in München und gelegentliche Dienstreisen nach Brüssel.

Bezahlung: Maximal 500 000 EUR pro Jahr. Mit einem derartigen Stellenprofil muss sich die Bayern LB so schnell wie möglich auf die Suche nach einem neuen Vorstandschef machen. Nach dreieinhalb Jahren an der Spitze räumt Gerd Häusler zum Jahresende seinen Posten bei der Landesbank.

Mit seiner überraschenden Ankündigung hat Häusler in Bayern für Aufregung gesorgt. "Häusler reißt ein Loch", hieß es gestern in Münchner Finanzkreisen. Gerade erst war es um die staatliche Bank ruhiger geworden. Monatelang drangen keine neuen Hiobsbotschaften aus der Bayern LB. Doch für den neuen Chef der Bayern LB gibt es noch viel zu tun. Häusler hat seit der Fast-Pleite im Jahr 2008 zwar viel erreicht. Er speckte die Bank ab, schloss zahlreiche Auslandsniederlassungen und führte die Bank nach Milliardenverlusten zurück in die Gewinnzone. Ein ganz großes Ziel steht aber noch aus: Bis zum Jahr 2019 muss die Bank 5 Mrd. EUR Staatshilfe an den Freistaat Bayern zurückzahlen, der sie 2008 vor der Pleite gerettet hatte. 1 Mrd. EUR ist bereits geschafft - die nächsten 4 Mrd. EUR aber dürften schwieriger werden.

Brüssel verfolgt den Rückzahlungsplan aufmerksam. Dass Häusler die Skeptiker in der EU-Kommission in harten Verhandlungen überhaupt von der Überlebensfähigkeit der Bank überzeugt hat, gilt als sein größter Erfolg bei der Bayern LB.

Über die Gründe für Häuslers Rücktritt wird viel spekuliert. Sein Vertrag läuft eigentlich noch bis 2015 und ein vorzeitiger Abtritt im Schlussspurt der Sanierung kommt der Bayern LB nicht gelegen. "Die Weichenstellungen sind erfolgt", sagte Häusler in seiner Abschiedserklärung, verriet aber nichts über seine Pläne. Als ehemaliger Direktor des Internationalen Währungsfonds ist Häusler in der Finanzwelt gut vernetzt und dürfte bei anderen Banken gute Chancen haben.

Mehr Geld winkt ihm außerhalb der Bayern LB auf jeden Fall. Als staatlich gerettete Bank durfte sie ihm nicht mehr als 500 000 EUR pro Jahr zahlen - im Vergleich zu den Spitzengehältern bei Privatbanken ist das eher wenig.
© Südwest Presse 24.09.2013 07:45
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