Umweltschutz im Blick

Fachmesse für Kreuzfahrten in Hamburg: Immer mehr Routen
  • Am Passagierkai des Ostseebades Warnemünde in Mecklenburg-Vorpommern ankern vier Kreuzfahrtschiffe Silver Whisper. Über Trends in der boomenden Branche informiert ab heute in Hamburg die Fachmesser "Seatrade Europe". Foto: dpa
Kreuzfahrten gehören zu den wachstumsstärksten Bereichen im internationalen Tourismus. Auf der Fachmesse Seatrade Europe dreht sich alles um neue Trends, Umweltschutz und mehr Sicherheit.Der Schutz der Umwelt und die Sicherheit der Schiffe sind zwei der Hauptthemen auf der Kreuzfahrt-Messe Seatrade Europe. Bei der dreitägigen Schau, die heute in Hamburg beginnt, zeigen mehr als 200 Aussteller aus 50 Nationen ihre Produkte und Dienstleistungen, teilte die Messegesellschaft mit. Dazu zählen nicht nur Kreuzfahrt-Reedereien, sondern ebenso Schiffbauer und ihre Zulieferer, Versorger und Ausstatter von Kreuzfahrtschiffen. Zu der Messe und dem begleitenden Kongress werden 4000 bis 5000 Fachbesucher erwartet.

Die Kreuzfahrtbranche hat sich speziell in Europa in den vergangenen Jahren rapide entwickelt. Innerhalb von acht Jahren verdoppelten sich die Passagierzahlen. Immer neue und größere Schiffe kamen auf den Markt und sind ausgebucht. Zweistellige Wachstumsraten sind die Regel. "Als Industrie schaffen wir Mehrwert, Jobs und Einkommen für die europäische Wirtschaft", sagte Michael Ungerer, Präsident der Aida-Reederei und des nationalen Kreuzfahrtverbandes CLIA Deutschland.

Die Angebote und vor allem auch Routen werden immer zahlreicher. Insgesamt werden zurzeit 65 verschiedene Strecken befahren und mehr als 530 Häfen vom Mittelmeer bis zur Arktis angesteuert. Bei den Europäern am beliebtesten sind bei Hochsee-Kreuzfahrten Routen im westlichen Mittelmeer, berichtet der Deutsche Reiseverband. Gefragt sind seinen Angaben zufolge aber auch die Region Nordmeer mit Norwegen, Island, Spitzbergen und Grönland sowie das östliche Mittelmeer, die Kanarischen Inseln, die Karibik und die Ostsee.

Die Schiffe steuern immer mehr Ziele an: So bietet beispielsweise die französische Reederei Compagnie du Ponant - die Nummer eins auf dem französischsprachigen Kreuzfahrtmarkt - vom Sommer 2014 an eine neue Expeditionskreuzfahrt in das Weiße Meer im Norden Russlands an. Die Route der "Austral" führt von Tromsö in Norwegen am Nordkap vorbei nach Murmansk und von dort nach Pomor am Kap Zeheny und zu den Inseln Ludi und Solovetski. Die Reederei Star Clippers nimmt Segel-Kreuzfahrten ab Mallorca in ihr Programm auf. Ab Sommer 2014 führt die neue Route von der größten Baleareninsel über Formentera, Ibiza und Menorca wieder zurück nach Mallorca. Unterwegs wird auch Halt gemacht in Valencia und Sant Carles de la Rapita in Katalonien, berichtet der Messeveranstalter.

Zu den wichtigsten Themen auf der Fachmesse in Hamburg zählt in diesem Jahr der Umweltschutz auf See: "Wir haben jedes Interesse daran, dass die maritime Umwelt sauber ist", sagte Ungerer. "Jede neue Generation von Kreuzfahrtschiffen ist grüner und effizienter als der vorherige." Die Industrie wolle ein Teil der Lösung sein und ihren Beitrag für eine ökologisch nachhaltige Entwicklung leisten.

Die Kreuzfahrtbranche steht bei Umweltschützern in der Kritik, weil die Maschinen der Schiffe mit Schweröl angetrieben werden und große Mengen Schwefel, Stickoxide und Kohlendioxid ausstoßen. Das bedeutet eine Luftbelastung auf See, aber vor allem auch während der Liegezeiten in den Häfen.

In Hamburg, wo mittlerweile rein rechnerisch an jedem zweiten Tag des Jahres ein Kreuzfahrtschiff einläuft, wird deshalb eine Landstromversorgung aufgebaut. Auch an einer Energieversorgung der Kreuzfahrtschiffe mit Flüssiggas wird gearbeitet. Diese Projekte werden aber erst im nächsten oder übernächsten Jahr fertig.

Nach der Havarie der "Costa Concordia" Anfang vergangenen Jahres vor der italienischen Insel Giglio ist auch das Thema Sicherheit in der Branche stärker den Vordergrund gerückt. "Als Ergebnis haben wir zahlreiche neue Sicherheitsleitlinien eingeführt", sagte Ungerer. "Jede von ihnen geht über die strengen internationalen Vorgaben hinaus."
© Südwest Presse 24.09.2013 07:45
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