Twitter strebt an die Börse

Kurznachrichtendienst reicht Antrag auf Zulassung ein - Noch werden aber keine Unternehmensdaten preisgegeben
  • Das Vögelchen auf blauem Hintergrund ist das Symbol von Twitter. Foto: dpa
Die Anleger lieben momentan wieder die Sozialen Netzwerke. Ein guter Zeitpunkt für den US-Kurznachrichtendienst Twitter, an die Börse zu gehen. Der erste Schritt ist getan, der Plan ist angemeldet.Der Startschuss für den nächsten mit Spannung erwarteten Internet-Börsengang ist gefallen: Nach Facebook wagt sich auch Twitter aufs Parkett. Es dürfte einer der größeren Börsengänge der nächsten Zeit werden. Der Wert des gerade mal sieben Jahre jungen Kurznachrichtendienstes wird auf 10 bis 15 Mrd. Dollar (7,5 bis 11,2 Mrd. EUR) geschätzt. Zum Vergleich: Facebook ist aktuell rund 109 Mrd. Dollar (82 Mrd. EUR) wert.

Twitter erklärte am gestrigen Donnerstag nur, dass die nötigen Unterlagen eingereicht worden seien. Das Unternehmen aus San Francisco verbreitete die Nachricht standesgemäß per Tweet, eine seiner maximal 140 Zeichen langen Nachrichten. Details blieben zunächst unklar. Der so genannte Börsenprospekt bleibt unter Verschluss, bis der Termin für das Vorhaben näher rückt. Das kann noch Monate dauern.

Mit dem Börsengang von Twitter wird schon lange gerechnet. Der verpatzte Börsenstart von Facebook vor einem Jahr könnte zwischenzeitlich abschreckend gewirkt haben. Mittlerweile haben die Anleger aber das Vertrauen in Facebook wiedergewonnen - die Aktie erreichte gestern einen neuen Höchststand. Das könnte für Twitter zugleich das Signal gewesen sein, sich selbst vorzuwagen.

Im Laufe der nächsten Zeit dürften beteiligte Banken die Nachfrage der Anleger nach den Aktien des Unternehmens ausloten. Erst ganz am Ende werden das genaue Datum für den Börsengang sowie der Preis festgelegt. Auch ist möglich, dass Twitter das Vorhaben in letzter Sekunde abbläst. Federführende Bank ist nach Informationen von US-Medien Goldman Sachs.

Bei Twitter können Nutzer 140 Zeichen lange Nachrichten, Fotos und kurze Videos absetzen. Der Dienst hat sich zu einem Medium für "Breaking News" gemausert. So war Twitter beim Bombenanschlag auf den Marathon in Boston eine der schnellsten - wenn auch nicht immer verlässlichen - Informationsquellen. Das von Dick Costolo geführte Unternehmen hat über 200 Mio. aktive Nutzer. Zum Vergleich: Facebook kam zuletzt auf 1,15 Mrd. Mitglieder.

Die wichtigste Einnahmequelle von Twitter ist Werbung, eingestreut in den Nachrichtenstrom. Das Unternehmen dürfte nach Schätzungen von Branchenexperten im kommenden Jahr die Umsatz-Marke von 1 Mrd. Dollar (0,75 Mrd. EUR) erreichen. Nach unbestätigten Berichten hat Twitter zwischenzeitlich auch schon Gewinn geschrieben.

Ein guter Teil der Einnahmen fließt über Twitter-Apps auf Smartphones und Tablet-Computer in die Kasse. Damit hat Twitter dem großen Bruder Facebook etwas voraus: Dessen mobiles Werbegeschäft war zum Zeitpunkt des Börsengangs im Mai 2012 praktisch gleich Null - einer der Gründe für den Kursabsturz. Twitter hatte sich erst am Dienstag mit der Übernahme einer Online-Werbefirma schick für die Börse gemacht. Der mehrere Mio. Dollar schwere Zukauf Mo-Pub hilft Firmen, Werbung in mobilen Apps zu schalten.

Wie das Geschäft bei Twitter derzeit genau läuft, ist allerdings unbekannt. Das Unternehmen machte Gebrauch von einer neuen Regelung, wonach aufstrebende Firmen mit weniger als 1 Mrd. Dollar einen Börsenprospekt einreichen können, ohne ihn zunächst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In dem Prospekt stehen Finanzkennzahlen, Risiken und das anvisierte Volumen des Börsengangs.

Durch die Geheimhaltung kann Twitter in Ruhe eventuelle Fragen mit der Börsenaufsicht SEC klären. Das kann vor Überraschungen schützen: So hatte die SEC die Bilanzierung im Prospekt des Schnäppchenportals Groupon als zu kreativ kritisiert, was zu Negativschlagzeilen und zur Änderung der Zahlen führte.
© Südwest Presse 14.09.2013 07:45
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