Mähdrescher ausgelastet

Bauernverband mit Ernte zufrieden - Norden vom Wetter begünstigt
Trotz Hitze, Kälte und Hochwasser: Unterm Strich kamen die Bauern einigermaßen glimpflich davon. Sie sind mit der Ernte zufrieden. Beim Getreide gab es ein leichtes Plus. Nur die Kartoffelernte ist schlecht.Die deutschen Bauern erwarten trotz schwieriger Wetterbedingungen in diesem Jahr eine leicht verbesserte Ernte. Mit 46,8 Mio. Tonnen Getreide werden die Bauern 3 Prozent mehr einfahren als 2012, gab der Verband in Berlin bekannt. Beim Raps werde der Ertrag sogar bei 5,6 Mio. Tonnen und damit um 17 Prozent höher liegen als im Vorjahr.

Mit diesem Ergebnis könne man "durchaus zufrieden sein", sagte der Präsident des Sächsischen Landesbauernverbands und Vorsitzende des Fachausschusses für den Ackerbau, Wolfgang Vogel. Wegen des Wetters sei schon lange nicht mehr mit einer Spitzenernte zu rechnen gewesen. Kälte, Hitze und Hochwasser hätten aber nicht allen Landwirten zu schaffen gemacht.

"Sie können etwa eine Linie ziehen von Köln über Hannover nach Berlin. Alles, was südlich dieser Linie ist, hat extrem unter den Witterungsbedingungen zu leiden gehabt", erklärte Vogel. Nördlich davon hätten die Bauern aber von einem Bilderbuchwetter profitiert. "Sie haben immer zur richtigen Zeit, im letzten Moment Wasser bekommen."

Auch wenn sich die Erwartungen bei Getreide und Raps verbessert haben - bei Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben malt der Bauernverband ein trüberes Bild. Die Kartoffelbauern werden wahrscheinlich weniger als 10 Mio. Tonnen einfahren. Schon 2012 waren es nur 10,6 Mio. Tonnen gewesen - fast ein Fünftel weniger als im Spitzenjahr 2004. Damals ernteten die Bauern 13 Mio. Tonnen Kartoffeln.

Der Mengenrückgang macht sich bei den Preisen bemerkbar. Die Erzeugerpreise liegen laut Bauernverband derzeit bei 30 EUR je 100 Kilogramm Kartoffeln. 2012 waren es weniger als 20 EUR. Die Entwicklung spüren schlussendlich die Verbraucher an der Supermarktkasse: Kartoffeln kosteten im Juli 44 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, meldete kürzlich das Statistische Bundesamt.

Das Wetter machte außerdem den Spargel-, Erdbeer- und Hopfenbauern einen dicken Strich durch die Rechnung. Der Bauernverband beziffert das Minus mit 10 Prozent beim Spargel, mit 7 Prozent bei Erdbeeren und mit 23 Prozent beim Hopfen.

Weil geringere Erntemengen mit steigenden Preisen einhergehen, müssen die Bundesbürger für viele Lebensmittel mehr bezahlen. Das trifft Verbraucher umso härter, je weniger Einkommen sie haben. Denn diese Menschen geben in der Regel einen besonders großen Teil ihres Einkommens für Grundbedürfnisse wie Ernährung aus, sagt Expertin Sabine Touil vom Statistischen Bundesamt.

Kein Wunder also, dass die "offizielle" Inflation, die das Statistische Bundesamt nach einem repräsentativen Warenkorb berechnet, bei manch einem Verbraucher nur Kopfschütteln verursacht. Denn gefühlt liegen die Preissteigerungen oft noch höher als das, was Statistiker amtlich errechnen.

"Die gefühlte Inflation ist bei Gütern des täglichen Bedarfs viel höher als bei monatlichen Abbuchungen wie der Stromrechnung - weil man sie ganz bewusst erlebt", betont Experte Alexander Koch von der Bank Unicredit. Zudem sind Experten überzeugt, dass Verbraucher Preissteigerungen stärker wahrnehmen als Preissenkungen.

Doch vor allem für Menschen mit niedrigem Einkommen wird das Leben im Moment tatsächlich teurer. "Derzeit steigen vor allem die Preise für Nahrungsmittel. Das erfährt man täglich beim Einkauf im Supermarkt. Das treibt die gefühlte Inflation nach oben, aber auch die tatsächliche", sagt Gustav Horn vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung.
© Südwest Presse 23.08.2013 07:45
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