Glaubwürdigkeit ist am wichtigsten Fertighaus-Unternehmer Johannes Schwörer findet seinen Ausgleich beim Geige-Spielen

  • Johannes Schwörer an seinem Lieblingsplatz im Unternehmen: der Fertigung der Wohnmodule "Flying Spaces". Der neuartige Anbau wird als fertiger Wohnwürfel angeliefert und binnen eines Tages mit dem bestehenden Gebäude verbunden. Foto: Volkmar Könneke
Johannes Schwörer ist für manche Überraschung gut. Der Chef des gleichnamigen Fertighausherstellers hat keine Sekretärin, ist ausgesprochen musikalisch und eckt mitunter mit seiner direkten Art an.Wenn sich Johannes Schwörer an einem Arbeitstag ärgert, geht er abends nach Hause und reagiert sich ab. Das tut er nicht etwa, in dem er Schlagzeug spielt. "Das wäre mir zu aggressiv", sagt er und lacht. Der Chef des gleichnamigen Fertighausbauers (Hohenstein/Kreis Reutlingen), der zu den führenden Anbietern der Branche gehört, greift zur Geige. "Das macht den Kopf frei", sagt der 46-Jährige, der mit elf Jahren begonnen hat, das Instrument zu lernen.

Mittlerweile spielt er auch Saxophon und Klavier, meistens alleine, ab und an im Duett mit Freunden und Lehrern oder als Hausmusik mit seinen Töchtern. Musik ist für den studierten Juristen ein wichtiger Teil seines Lebens, ebenso wie die Familie. In der Regel lässt er es sich nicht nehmen, mit Frau und Kindern gemeinsam Mittag zu essen - und er findet Zeit für gemeinsame Hobbys.

Dabei ist er stark gefordert. Die Unternehmensgruppe mit 1860 Mitarbeitern an acht Standorten in West-, Ost- und Süddeutschland erinnert eher an einen Mischkonzern als an einen Mittelständler. Die Bandbreite reicht vom Bau von Fertigholzhäusern über eine Großsägerei und Stahlbau bis hin zur Herstellung von Betonfertigteilen und Holzwerkstoffplatten. Zudem engagiert sich Schwörer in der Industrie- und Handelskammer Reutlingen und als Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Holz- und Kunststoffe verarbeitenden Industrie.

Trotz seiner vielen Aufgaben nimmt er sich die Zeit für Dinge, die ihm wichtig sind. "Alles ist eine Frage der Zeiteinteilung", sagt Schwörer. Wöchentlich nimmt er lediglich an zwei Routinebesprechungen im Unternehmen teil. Als er in das Unternehmen seines Onkels eintrat, straffte er als eines der ersten Dinge die Konferenzkultur. "Ich halte nichts davon, dass zwei Leute reden und sich 18 berieseln lassen", erklärt Schwörer seine Abneigung. "Mein Onkel war mein Mentor. Der hat das auch gehasst."

Sein Onkel Hans, der Firmengründer, war es auch, der Johannes Schwörer den Weg ins Unternehmerdasein eröffnete. Der Jura-Student steckte 1994 mitten in seinem Referendariat am Oberlandesgericht Stuttgart und wollte später in der Finanzverwaltung arbeiten. Da bestellte ihn sein Onkel ins Krankenhaus, er machte sich Gedanken über die Zukunft des Unternehmens. "Für mich kam das Angebot zum Einstieg überraschend, aber ich empfand es als Ehre und auch als Glück", sagte Schwörer. Zuvor absolvierte er sein zweites Staatsexamen, als Rückversicherung. Denn der gebürtige Stuttgarter ist ein vorsichtiger Mensch: "Ich sehe die Möglichkeiten, aber immer auch die Risiken. Dieser Charakterzug raubt mir die Euphorie."

Die Rückversicherung musste er nicht in Anspruch nehmen. Mit seinem Onkel, der 2007 starb, verstand er sich gut. "Zu vielen Themen hatten wir die gleiche Meinung" - auch wenn es um schlanke Strukturen geht. Schwörer kommt noch heute ohne Sekretärin aus, was angesichts der Größe des Unternehmens ungewöhnlich ist.

Für seine Mitarbeiter steht seine Bürotüre offen. "Wer kommen will, kommt. Für mich ist das auch die Möglichkeit zu erfahren, was im Betrieb los ist", sagt Schwörer. Von den Beschäftigten erwartet er Selbstverantwortung und, "dass sie ihre Arbeit so machen, dass ihre Arbeitsplätze auch morgen noch da sind." An sich selbst stellt er den Anspruch, dass Mitarbeiter und Kunden zufrieden sind.

Als oberste unternehmerische Regel nennt er Ehrlichkeit. "Je offener, man Dinge anspricht, desto einfacher ist es, Lösungen zu finden." Doch dabei ist er sich durchaus bewusst, dass er mit seiner direkten Art manche Zeitgenossen vor den Kopf stößt: "In der Verbandslandschaft bin ich nicht wahnsinnig beliebt", räumt er ein und schmunzelt. Doch er will vor allem eines sein: glaubwürdig.

In den vergangenen Jahren hat Schwörer unter Beweis gestellt, wie man mit neuen Konzepten, hoher Wertschöpfung und effizienten Abläufen erfolgreich sein kann. Doch die Zeiten für Fertighausbauer werden nicht leichter: Weniger Familien, weniger Kinder, mehr Ältere, die sinkende Zahl der Neubaugebiete - das macht neue Wohnlösungen nötig. Von sich selbst sagt Schwörer, er sei misstrauisch. Vielleicht ist das der Grund, warum er mit seiner analytischen und hartnäckigen Art früher als andere in der Branche nach Innovationen sucht, sie findet und umsetzt. Unternehmer zu sein - das vergleicht Schwörer, der selbst gerne mit seiner Frau ausgiebig joggt, mit einem Marathonlauf: "Man muss immer in Bewegung bleiben."
© Südwest Presse 20.07.2013 07:45
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