KOMMENTAR: Zuwachs an sich kein Ziel

Zuwachs für Euroland: Lettland wird das 18 Mitgliedsland in der Eurozone. Ob dies eine gute Nachricht ist, muss sich erst noch zeigen. Keine Frage, die Letten erfüllen die Bedingungen für die Einführung der Gemeinschaftswährung. Und daher ist gegen ihre Aufnahme nichts einzuwenden.

Doch Größe und Zuwachs an sich können für Euroland nicht länger die bestimmenden Ziele sein. Dazu ist die Eurozone inzwischen viel zu sehr mit Notoperationen zur Stabilisierung von Krisenländern und der Reparatur von Konstruktionsfehlern für die gemeinsame europäische Währung beschäftigt. Stabilität und Belastbarkeit für den Währungsraum insgesamt, wie für jedes einzelne Teilnehmerland sind im Lichte der Euro-Schuldenkrise längst weitaus gewichtiger.

In Brüssel hat man dies aber noch nicht zur Kenntnis genommen. Es reicht nicht aus, vor lauter Inflationsängsten vornehmlich Teuerungsraten und Staatsverschuldung im Blick zu haben. Wirtschaftliche Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit müssen in gleicher Weise beobachtet werden. Doch für eine angemessene Beurteilung reicht die Vorgabe nicht aus, dass ein Beitrittskandidat seine Währung in den zwei Jahren vor der Einführung des Euro nicht abwerten musste. Dieser Zeitraum müsste mindestens fünf Jahre umfassen.
© Südwest Presse 10.07.2013 07:45
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