Jedes Kind kennt Playmobil

Firmeninhaber Horst Brandstätter ist auch mit 80 jeden Tag im Büro
  • Horst Brandstätter, Chef von Playmobil und Hobby-Golfer. Foto: dpa
Es gibt wohl kein Kind in Deutschland, das noch nie mit Plastikfiguren von Playmobil gespielt hat. Firmeninhaber Horst Brandstätter wird jetzt 80 Jahre alt - und sieht noch immer jeden Tag nach dem Rechten.Jeden Morgen liegen bei Horst Brandstätter zwei Zettel auf dem Tisch: Auf dem einen ist vermerkt, wann er mit wem zum Golfen verabredet ist. Auf dem zweiten Blatt steht eine eng gedruckte Tabelle mit vielen Zahlen. Der Inhaber des Spielzeugherstellers Playmobil studiert sie genau: Auftragseingang, Fakturierung, Produktion. Während andere in seinem Alter schon lange keinen Gedanken mehr an Arbeit verschwenden, wacht Brandstätter noch immer mit Argusaugen über die bunten Plastikfiguren. Jeden Tag kommt er in sein Büro. Heute wird Horst Brandstätter 80 Jahre alt.

Noch als Kind verlor er seinen Vater im Krieg - und eignete sich Fähigkeiten an, die ihm später an der Spitze von Deutschlands größtem Spielzeugproduzenten Playmobil zugute kommen. "Dadurch, dass ich viel auf mich gestellt war, habe ich gelernt, meine Vorstellungen durchzusetzen", resümiert der Jubilar. Diese Eigenschaft hilft ihm, als er die Nachfolge seines Vaters in der familieneigenen Spielzeugfabrik antritt und auf viel ältere Mitteilhaber und veraltete Strukturen trifft.

Brandstätter gelingt ein Glücksgriff: Der von ihm engagierte Formenbauer Hans Beck entwickelt ein Systemspielzeug, das Eltern zum Kauf immer neuer Bestandteile animiert, bis am Ende eine komplette Welt entsteht - Playmobil.

Am Anfang habe selbst er die Bedeutung und Vielfältigkeit der Idee nicht sofort begriffen, gesteht Brandstätter. "Man kann es am Produkt nicht sehen, das findet im Kopf des Kindes statt." Bis heute sei Playmobil nicht cool, findet der gelernte Formenbauer. Dafür ermögliche das Produkt dem Nachwuchs, seine Umwelt im Spiel zu begreifen. Die Figuren sind bewusst relativ neutral gehalten - "das soll dem Kind die Möglichkeit geben, der Figur einen Charakter zu geben". Zum Konzept von Entwickler Beck gehörte der Verzicht auf Gewalt - selbst die Cowboys bekamen erst nach zahlreichen Protesten von Kindern eine Pistole in die Hand.

Es hat sich nicht allzu viel geändert seit 1974, als zum ersten Mal ein Ritter, ein Indianer und ein Bauarbeiter vorgestellt wurden. Allerdings gibt es zunehmend spezifische Produkte für Mädchen. Das Tagesgeschäft hat Brandstätter inzwischen in die Hände seiner früheren Marketing-Chefin Andrea Schauer gelegt. Sein Rückzug hat den angenehmen Nebeneffekt, dass Brandstätter den Winter in Florida verbringen und Golf spielen kann.

2,6 Milliarden der kleinen Plastikfiguren wurden bislang hergestellt. Bundesverdienstkreuzträger Brandstätter hat mit der Pflanztopfmarke "Lechuza" noch ein zweites Standbein geschaffen. Die Geobra-Brandstätter-Gruppe setzt inzwischen 591 Mio. EUR um und beschäftigt 3700 Menschen.
© Südwest Presse 27.06.2013 07:45
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