KOMMENTAR: Lohnvergleich ist nicht alles

Die Gewerkschaften müssen sich dafür einsetzen, dass ihre Mitglieder erstens möglichst hohe Löhne bekommen und dass sich zweitens die Zahl ihrer Mitglieder erhöht. Wenn sie mit Zahlen nachweisen können, dass in Deutschland noch vergleichsweise viele Arbeitnehmer weniger als der Durchschnitt verdienen, leitet dies Wasser auf ihre Mühlen der Argumentation und der Mitgliederwerbung. Ob ihre Deutung der Daten darüber hinaus auch noch sinnvoll, also gesamtwirtschaftlich relevant ist, darf im vorliegenden Fall mit Fug und Recht bezweifelt werden.

Dass Deutschland mit an der Spitze der Länder mit ausgeprägtem Niedriglohn-Sektor liegt, kann ja wohl kaum den Schluss zulassen, den Arbeitnehmern hierzulande ginge es im Vergleich zu anderen Ländern schlechter. Viel sinnvoller ist natürlich das absolute Lohnniveau beziehungsweise die Kaufkraft. Viel wichtiger ist ferner die Arbeitslosenquote. Bei beidem stehen die Deutschen aktuell recht gut da.

Weit interessanter ist der Zusammenhang zwischen Niedriglohnsektor und Arbeitslosigkeit. Wo relativ niedrige Löhne möglich sind, sinkt tendenziell die Arbeitslosigkeit. Das ist der Kern der Schröderschen Agenda-Politik. Sie ist nicht umsonst Vorbild für die Reformen, welche die Euro-Krisenländer noch vor sich haben.
© Südwest Presse 11.06.2013 07:45
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