Gute Geschäfte, schlechte Straßen

Züblin mit Rekordjahr - Kritik an Infrastruktur
2012 war für den Stuttgarter Baukonzern Züblin ein Rekordjahr. Dazu haben vor allem die sehr guten Geschäfte in Deutschland beigetragen.Eine "unvorstellbar schlechte Infrastruktur" attestiert Alexander Tesche Deutschland. Der Vorstandschef des Baukonzerns Züblin ist besorgt über den Zustand vieler Straßen und Brücken hierzulande. Zum baulichen Symbol der Missstände ist die marode Rheinbrücke in Leverkusen geworden, die vermutlich abgerissen werden muss. Man müsse aber nicht erst nach Nordrhein-Westfalen fahren, um die Probleme zu sehen, sagte Tesche. Wie auch der Hauptverband des Baugewerbes sieht er einen "dringenden Handlungsbedarf" angesichts immer geringerer Investitionen in den Erhalt der hiesigen Infrastruktur.

Umso bedauerlicher findet er, dass Züblin nicht in die von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer gegründete Kommission für bauliche Großprojekte berufen wurde. Dennoch wolle man mit einer Initiative für eine bessere Infrastruktur Bewusstsein für das Thema schaffen, das sich derzeit sehr weit unten auf der Agenda befinde.

Natürlich verfolge Züblin damit eigene Interessen, aber es gehe vor allem auch um die Zukunft der Exportwirtschaft in Deutschland. Die Bundesrepublik liegt Züblin aus gutem Grund so am Herzen: Das zeigt ein Blick auf die gestern bei der Bilanzpressekonferenz präsentierten Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr - "dem erfolgreichsten in der Züblin-Geschichte", wie Tesche sagte.

Um 22 Prozent auf 2,5 Mrd. EUR stiegen die Auftragseingänge des Baukonzerns, der mehrheitlich zur österreichischen Strabag-Gruppe gehört, alleine hierzulande an. Insgesamt gingen Aufträge im Wert von 3,1 Mrd. EUR ein. Der Umsatz lag mit ebenfalls 3,1 Mrd. EUR rund 13 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Jahresüberschuss erhöhte sich im Jahr 2012 um 34 Prozent auf mehr als 86 Mio. EUR. Die Mitarbeiterzahl stieg leicht auf 13 457.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Tesche einen Umsatz auf dem Niveau von 2012. "Wir konzentrieren uns vor allem auf Deutschland und die Nachbarstaaten", sagte Tesche zur Strategie. Die Begründung: "In Deutschland wird auch in den kommenden Jahren weiter gebaut werden." So wird Züblin in Hamburg 15 berufliche Schulen teilweise neu errichten. Der Bedarf an Infrastrukturmaßnahmen ist ja auf jeden Fall auch noch da.
© Südwest Presse 23.05.2013 07:45
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