KOMMENTAR: Absurdes Theater

Wolfgang Mayrhuber saß bei der Hauptversammlung gestern in der ersten Reihe und lächelte bisweilen. Dabei bot das, was sich an diesem Tag und in den Tagen davor um den neuen Aufsichtsratschef der Lufthansa abgespielt hatte, alles andere als einen Anlass zum Lachen. Wer für die beispiellos peinlichen Vorgänge nicht nur für Lufthansa, sondern für einen deutschen Konzern überhaupt die Verantwortung trägt, blieb letztlich unklar. Wenigstens hat es der Lufthansa-Aktie nicht geschadet.

Das absurde Theater um Mayrhubers Berufung war überflüssig wie ein Kropf, die Eskalation ein Desaster. Sollten die ausländischen Großanleger nicht verstanden haben, wie die Aufgaben zwischen Vorstand und Aufsichtsrat deutscher Konzerne verteilt sind? Sollten andererseits die Kapitalmarkt-Experten der Lufthansa die Meldung über den Verzicht von Mayrhuber verfrüht rausgegeben haben, um sie später wieder zurückzurufen, wäre das nicht weniger peinlich.

Dass der 66jährige für den Job fachlich qualifiziert und auch integer ist, kann kaum jemand bezweifeln. Auch wenn nicht jede Entscheidung Mayrhubers als Chef der Lufthansa richtig war. Den Start in das neue Amt jedenfalls hätte man sich leichter machen können. Die Airline hat wahrlich andere Probleme zu meistern.
© Südwest Presse 08.05.2013 07:45
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