Altersvorsorge ungefährdet

Lebensversicherer stehen zur zugesagten Garantieverzinsung
Die Lebensversicherer wollen alle Zusagen an ihre Kunden erfüllen, obwohl die Zinsen für Kapitalanlagen immer weiter fallen. Allerdings machen sich die Anbieter Gedanken über Alternativen zum Garantiezins.Bis zu 4 Prozent Verzinsung garantieren ältere Lebensversicherungsverträge. Die Unternehmen wollen dieses Versprechen "vollends erfüllen", auch wenn die Zinsen für Kapitalanlagen anhaltend niedrig bleiben. Das betonte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland, in Berlin, Die Garantien seien "weiter sicher finanziert", ergänzte der GDV-Sprecher für die Lebensversicherungen, Markus Faulhaber.

Das Rekordtief der Zinsen für Kapitalanlagen bereitet der Branche große Probleme: Ihre Kapitalanlagen stiegen 2012 um 3,5 Prozent auf 769 Mrd. EUR. Aber sie warfen nur 3,9 Prozent laufende Zinsen ab. Einschließlich einmaliger Erlöse waren es 4,5 Prozent. Da die Tendenz weiter nach unten geht, wird es immer schwieriger, die langfristigen Garantieversprechen einzuhalten.

Die Lebensversicherer wollten weiter eine "unersetzbare Rolle" bei der Altersvorsorge spielen, sagte Erdland, im Hauptberuf Chef der Wüstenrot & Württembergische AG in Stuttgart. Allerdings denken viele Anbieter über Alternativen zu Verträgen mit einer garantierten Verzinsung nach, auch wenn Faulhaber, der Chef der Allianz Leben in Stuttgart, diese für attraktiv hält. Beim Abschluss eines neuen Vertrages liegt sie derzeit bei 1,75 Prozent, was sich im nächsten Jahr nicht ändern soll. Die neuen Angebote werben mit besseren Renditechancen, aber ohne Garantieverzinsung.

Von der Politik forderte Erdland nicht nur, dass sie die Menschen weiter über die Notwendigkeit zur ergänzenden privaten Altersvorsorge aufklärt. Er besteht auch auf einer Neuregelung der Beteiligung der Versicherten an den stillen Reserven. Die derzeitigen Vorschriften machen es nach Ansicht der Branche zum Glücksspiel, ob ein Vertrag zu einem günstigen Zeitpunkt fällig wird. Die Unternehmen wollen nicht gezwungen werden, Wertpapiere zu einem ungünstigen Zeitpunkt zu verkaufen. Eine Änderung war am Widerspruch der Opposition im Bundesrat gescheitert. Der GDV-Präsident gibt sich zuversichtlich, dass sie nach der Wahl kommt.

Außerdem will er eine Ausnahme für die private und betriebliche Altersvorsorge bei der geplanten Finanztransaktionssteuer. Daneben steht auf dem Wunschzettel der Lebensversicherer, die staatliche Förderung der Riester-Rente zu dynamisieren: Arbeitnehmer sollen 4 Prozent vom Gehalt einzahlen, dies ist aber seit 2008 auf maximal 2100 EUR begrenzt. Faulhaber mahnte eine Anhebung auf 2784 EUR an. Zudem solle bei Geringverdienern ein Teil der Riester-Rente nicht auf die Grundsicherung angerechnet werden, um die Altersvorsorge für diese Gruppe attraktiver zu machen.

Trotz der schwachen Konjunktur rechnet Erdland für die gesamte Versicherungsbranche in diesem Jahr mit einem ähnlich hohen Wachstum der Beitragseinnahmen wie 2012, wo sie ein Plus von 2 Prozent auf 181,7 Mrd. EUR erzielte. Am schwächsten lief das Geschäft bei den Lebensversicherern. Dagegen profitierten die Schaden- und Unfallversicherer nicht nur von der Konjunktur, sondern auch von Beitragserhöhungen.

Die privaten Krankenversicherer nahmen 2,9 Prozent mehr Prämien ein. Sie setzen große Hoffnungen in die staatlich geförderte private Pflegezusatzversicherung, besser bekannt als "Pflege-Bahr". Dabei setzen sie insbesondere auf jüngere Kunden. In den ersten drei Monaten nach dem Start zum Jahresanfang wurden über 65 000 Verträge abgeschlossen. Inzwischen haben die meisten Unternehmen ihre Tarife kalkuliert. Bei mindestens 120 EUR eigenem Jahresbeitrag schießt der Staat 60 EUR zu.
© Südwest Presse 25.04.2013 07:45
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