Scheu vor dem Schritt ins Ausland

BDI-Präsident Grillo verwundert über Zurückhaltung im Mittelstand
  • BDI-Präsident Grillo: "German Mittelstand wird hoch geschätzt." Foto: dpa
Im Mittelstand geht die Vorsicht um: Die Unwägbarkeiten wegen der Euro-Schuldenkrise halten viele Unternehmen vor einem stärkeren Engagement im Ausland ab, beklagt BDI-Präsident Ulrich Grillo.Die Schuldenkrise in der Eurozone veranlasst deutsche Mittelständler zur Vorsicht. Ihr Interesse an einer Ausweitung ihrer Geschäfte über die deutsche Grenze hinweg nach Europa, vor allem aber in die USA, nach Asien und in Schwellenländer hat im Vergleich zur Zeit vor Ausbruch der Finanz- und Schuldenkrise 2008 deutlich nachgelassen, wie eine gestern von der Commerzbank vorgelegte Studie zeigt.

Ende 2012 planten danach nur 9 Prozent von 4000 befragten Inhabern und Geschäftsführern deutscher Mittelstandsfirmen den Schritt ins Ausland. Vor fünf Jahren war es bei einer ähnlichen Befragung noch fast ein Viertel. Damit verschenkten die Firmen Wachstumschancen, sagten Commerzbank-Vorstandsmitglied Markus Beumer und Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). "German Mittelstand" sei im Ausland eine hochgeschätzte Marke, betonte Grillo in Frankfurt.

Der BDI-Präsident, Chef der Grillo-Werke und damit selbst erfolgreicher Mittelständler, kann die Skepsis der Firmen nicht ganz nachvollziehen. Sie resultiert der Studie zufolge nicht in erster Linie aus möglichen Problemen in Investitionsländern und Märkten außerhalb Europas, sondern beruhe auf einer Skepsis im Blick auf die Entwicklung in der Eurozone. Vier von fünf der befragten Firmen rechnen in den nächsten drei bis fünf Jahren mit einer schwachen Konjunktur im Euroraum, die Hälfte mit einer Pleite von Eurostaaten und 18 Prozent sogar mit einem Auseinanderbrechen der Eurozone.

Dies vor allen führt nach Ansicht von Beumer dazu, dass die Firmen "deutlich gehemmter unterwegs" seien. Dabei befürchten viele Unternehmer und Geschäftsführer zudem Schwierigkeiten im Blick auf mangelnde Rechtssicherheit, rechtliche Hemmnisse, Währungsrisiken, Plagiate und Korruption in möglichen Investitionsländern.

Grundsätzlich aber, betonen Beumer und Grillo, hätten deutsche Firmen auf den Auslandsmärkten gute Chancen, auch wenn es natürlich Fehlinvestitionen gebe. "Die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmer nimmt aber weiter zu", sagt Beumer. Und die Firmen, die bereits in anderen Ländern tätig sind, seien in den allermeisten Fällen erfolgreich und berichteten, dass Produkte und Dienstleistungen deutscher Firmen zunehmend gefragt seien.

Nicht nur "Made in Germany" ziehe, sondern auch "Managed in Germany". Grillo zufolge sollten zwar noch mehr Firmen auf das Ausland schauen, aber prinzipiell sei der Mittelstand auf Internationalisierungskurs nicht nur durch Exporte, sondern auch durch Produktionsstätten in anderen Ländern Europas, in den USA und auch in Asien. "Für 55 Prozent der Firmen ist das Ausland tägliche Praxis."
© Südwest Presse 19.04.2013 07:45
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