KOMMENTAR: Neuer Mann für neue Liga

Geht er, weil er viel erreicht und sich damit für größere Aufgaben gewappnet wähnt? Oder wird er gegangen, weil der neue Eigentümer sieht, dass die Erfolgsgeschichte, die Thorsten Klapproth zweifelsfrei in den vergangenen zehn Jahren geschrieben hat, nicht gut genug war und auch Misserfolge aufweist? Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen.

Aus freien Stücken wäre Klapproth nicht gegangen. Er hat aus dem Besteck- und Kochtopfhersteller, der nur als Produzent von Aussteuerware für deutsche Schwiegermütter gut aufgestellt war, eine moderne, trendige Marke gemacht - über Deutschland hinaus. Er hat außerdem mit dem Kaffeemaschinen-Thema das richtige Näschen gehabt. Und er hat erkannt, dass WMF internationaler werden muss.

Gerade hier ist er aber noch nicht weit genug gekommen. Ein Umsatzanteil von 15 Prozent in Asien und keine 5 Prozent in den USA ist zu wenig. Ein strategischer Fehler war der Zukauf zweier Firmen, die Elektrokleingeräte im Billigsegment anbieten. Sie passen nicht zur eigenen, hochpreisigeren Marke und haben viele Millionen Verlust verursacht.

WMF spielt heute in einer anderen Liga als vor zehn Jahren. Das ist Klapproths Verdienst. Der neue Eigentümer muss erst noch beweisen, dass er hierfür den besseren Manager aufstellt.
© Südwest Presse 12.04.2013 07:45
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