Kritik an Klimaplänen im Land

Chemieindustrie wehrt sich gegen regionale Beschränkungen
  • Blick in die Produktion bei Vetter Pharma in Ravensburg. Im Land steigerte die Pharmabranche den Umsatz 2012 um 8 Prozent. Foto: Vetter Pharma
Die Chemieverbände hadern mit dem Land: Ein eigenes Klimaschutzgesetz würde die Wettbewerbsfähigkeit gefährden, warnte Verbandschef Gerd Backes. Das Wachstum 2013 fällt schwächer aus.Nach der Konjunkturdelle blickt die Chemie- und Pharmabranche zwar optimistisch in die Zukunft und rechnet mit einem weiteren, über dem Bundesdurchschnitt angesiedelten Wachstum. Der Entwurf der Landesregierung für ein eigenes Klimaschutzgesetz aber könnte den Aufschwung stören, fürchtet Gerd Backes, der Vorsitzende des baden-württembergischen Verbandes der chemischen Industrie (VCI).

In Sachen Klimaschutz sei die Branche mit mehr als 103 000 Beschäftigten im Südwesten die Lösung und nicht das Problem: Ohne Dämmstoffe, leichte Fasern oder Additive "gibt es keine Energieeinsparung", sagte Backes, der im Hauptberuf die Sigma-Aldrich GmbH in Steinheim (Kreis Heidenheim) leitet. Obwohl die Unternehmen seit 1990 rund 60 Prozent mehr Stoffe produziertem, verbrauchten sie 20 Prozent weniger Energie und würden nur noch die Hälfte an Treibhausgasen ausstoßen. Die Reaktionen auf steigende Energiepreise reiche von der Einsparung bis zum Bau eigener Kraftwerke. Mit dem Wegzug und der Verlagerung der Produktion malte Backes nun eine weitere Reaktion an die Wand. Dabei hatte Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) die Chemiewirtschaft erst jüngst auf einem Branchentag für ihre Standorttreue gelobt. Besonders schielten die Firmen dabei auf die USA und deren Preisniveau. Noch sei keine Standortschließung erfolgt, wenn chemische Anlagen aber nach 20 oder 25 Jahren ihr Lebensalter erreicht hätten, seien Ersatzinvestitionen auch außerhalb Deutschlands denkbar.

Allein auf Baden-Württemberg bezogene Klimaschutzziele wie die Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes um 98 Prozent bis 2050 seien unrealistisch. Auch die geplante verbindliche Reduzierung des Energieverbrauchs würde das Wachstum im Land bremsen. Es sei vielleicht wünschenswert, aber nicht zu leisten und vor allem nicht zu bezahlen, bereits 2020 komplett auf den Einsatz von Mineralöl zur Energieerzeugung zu verzichten.

Backes betonte, es gebe bereits hinreichend Klimaschutzvorgaben auf nationaler und europäischer Ebene, Berlin und Brüssel verzichteten dabei aber bewusst auf regionale CO2-Minderungsziele: "Das Gesetz ist als Ganzes nicht notwendig", betonte Backes, "bei regionalem Klein-Klein entsteht ein klarer Standortnachteil."

Für 2013 erwartet die Chemieindustrie ein Umsatzplus von 1 bis 2 Prozent. Im vergangenen Jahr legte der Umsatz der Chemie- und Pharmabranche im Südwesten um 4 Prozent rund 18,6 Mrd. EUR zu. Dabei entfielen 11 Mrd. EUR aufs Auslandsgeschäft. Die Zahl der Mitarbeiter nahm um 3,9 Prozent auf 56 018 Beschäftigte zu. Die Zahl der neuen Ausbildungsplätze stieg um 3,9 Prozent auf 1065 Stellen.
© Südwest Presse 12.04.2013 07:45
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