KOMMENTAR: Frauen in der beruflichen Falle

Als Ingenieurinnen haben Frauen hervorragende Verdienstmöglichkeiten. Doch zum Kummer vieler Unternehmen können sich nur wenige für technische Berufe begeistern. Viel lieber wählen sie einen "typischen Frauenberuf" wie Erzieherin oder Pflegerin - und landen damit in einer Falle: Diese Tätigkeiten werden deutlich schlechter bezahlt.

Einzusehen ist das nicht, schon weil Kindererziehung oder Pflege mindestens so verantwortungsvolle Aufgaben sind wie die Konstruktion eines Autos oder die Wartung einer Maschine. Entscheidend ist, wie viel die Aufgaben der Gesellschaft wert sind. Das zeigt, wo der Hauptansatzpunkt für die Forderung nach gleicher Bezahlung für Frauen und Männer ist: Da helfen keine neuen Gesetze. Gefordert sind vielmehr an erster Stelle die Tarifpartner, die Löhne aushandeln. Was zugegebenermaßen leichter gefordert als realisiert ist, schon weil in diesen Branchen teilweise kaum Beschäftigte Gewerkschaftsmitglieder sind.

Dazu gehört aber genauso die Bereitschaft der Bürger, für manches mehr Geld auszugeben, insbesondere für Dienstleistungen. Von Notstand gerade in der Pflege und der Kinderbetreuung ist viel die Rede. In der Marktwirtschaft müsste die Konsequenz sein, dass diese Berufe deutlich besser bezahlt werden - und dass sie besser mit der Familie vereinbar werden. Das ist eine große Herausforderung für die Gesellschaft, aber auch für jeden Einzelnen. DIETER KELLER
© Südwest Presse 20.03.2013 07:45
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