Der "Teflon-Manager" hört auf

Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat Cromme überstand etliche Krisen
  • Gerhard Cromme hat das Bild der Stahlbranche geprägt. Kritiker behaupten aber auch, dass er zweifelhafte Entscheidungen mitgetragen habe. Foto: dpa
Der langjährige Aufsichtsratschef des Thyssen-Krupp-Konzerns, Gerhard Cromme, zieht sich komplett aus dem Unternehmen zurück. Der Stahlkonzern steckt nach Fehlinvestionen und Affären in einer Krise.Der einflussreiche Aufsichtsratsvorsitzende von Thyssen-Krupp, Gerhard Cromme, kehrt dem kriselnden Stahlkonzern nach Jahrzehnten den Rücken. Cromme lege nicht nur sein Amt als Aufsichtsratschef nieder, sondern auch seine Posten als Vizevorsitzender im Kuratorium der mächtigen Krupp-Stiftung, teilte das Unternehmen mit.

Cromme selbst erklärte, er wolle einen "personellen Neuanfang ermöglichen". Der Schritt Crommes kam überraschend. Aktionärsvertreter hatten bereits zur Hauptversammlung Thyssen-Krupps im Januar den Rücktritt Crommes gefordert. Das Unternehmen hatte Milliardenverluste einräumen müssen, deren Hauptursache die Stahlwerke des Konzerns in Übersee waren. Hinzu kamen Enthüllungen zur Beteiligung Thyssen-Krupps an einem Schienenhersteller-Kartell und über andere Affären.

Cromme ist seit 2001 Aufsichtsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp. Er war seit 1986 Vorstandschef der Krupp AG und ihrer Nachfolger gewesen. Seine Kritiker warfen ihm deshalb vor, aus heutiger Sicht zweifelhafte Entscheidungen mitgetragen und fragwürdiges Verhalten von Mitarbeitern nicht konsequent geahndet zu haben. Sie hatten ihn immer wieder als Inbegriff eines "Teflon-Managers" kritisiert, der Unternehmensskandale und -krisen unbeschadet überstand.

Der Vorsitzende des Kuratoriums der mächtigen Krupp-Stiftung, Berthold Beitz, hatte sich jedoch hinter Cromme gestellt. Die Stiftung ist der Hauptaktionär des Konzerns. Cromme war auch als Nachfolger von Beitz im Gespräch gewesen.

Der scheidende Aufsichtsratschef erklärte, er wünsche Thyssen-Krupp, dass das Unternehmen "gestärkt" aus seiner derzeitigen Krise hervorgehe. Anfang Dezember hatte Thyssen-Krupp wegen der Probleme und Affären die Hälfte seines Vorstandes entlassen.

Unternehmenschef Heinrich Hiesinger erklärte, Cromme habe das Bild der Stahlindustrie "entscheidend geprägt". Cromme habe in den Neunzigerjahren zunächst die Fusion der Konzerne Krupp und Hoesch vorangetrieben und später den Zusammenschluss mit Thyssen. Damit habe Cromme zur damals notwendigen Neuordnung der Stahlindustrie in Deutschland beigetragen. Cromme ist auch Chef des Aufsichtsrats beim Technologieriesen Siemens. Beim Medienkonzern Axel Springer sitzt er ebenfalls als Mitglied im Kontrollgremium. afp
© Südwest Presse 09.03.2013 07:45
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