Jetzt kommen die Großen

Deutsche Post und britische National Express drängen auf Fernbusmarkt
  • Die steigende Anzahl von Fernreisebussen sorgt jetzt schon rund um den Hauptbahnhof in Frankfurt für Platzprobleme. Und jetzt kommen auch noch neue Anbieter auf den jungen Markt. Foto: dpa
Mit dem Ende des Monopols der Bahn auf langen Strecken ist ein neuer Markt für Fernbuslinien entstanden. Auf ihn drängen jetzt auch die Großen: Deutsche Post/ADAC und National Express aus England.Die Deutsche Post entdeckt selbst alte Geschäftsfelder neu. Rund 200 Jahre nach dem Verschwinden der Postkutschen möchte der Weltkonzern auch wieder Fahrgäste durch Deutschland schippern - diesmal mit 200 modernen Fernbussen. Wenn es nach den Plänen des Bonner Logistikunternehmens und ihres Kooperationspartners ADAC geht, sollen schon in einem Jahr die ersten Postbusse wieder im Linienverkehr rund 150 deutsche Städte verbinden. Noch in diesem Monat können die letzten Details der Zusammenarbeit geklärt sein und das zweistellige Millionenprojekt in die Gänge kommen. Ein letztes Votum des ADAC-Beirates steht noch aus.

Mit dieser Renaissance will auch die Post von einer Gesetzesänderung profitieren, die ab 2013 Privatanbietern den Aufbau von Fernbuslinien ab 50 Kilometer Länge in Deutschland erlaubt. Post und ADAC würden damit der Bahn auf Strecken Konkurrenz machen, die rund 80 Jahre von einem gesetzlichen Monopol geschützt waren. Die Post setzt dabei vor allem auf Zusammenarbeit mit mittelständischen regionalen Busfirmen in Deutschland.

Konkurrenz für die Bahn sind die Busse bislang nicht. Laut statistischem Bundesamt kamen Fernbusse zuletzt auf 2 Mio. Fahrgäste im Jahr, Fernzüge hingegen auf 125 Millionen. Allerdings wird sich das ändern. Junge Leute, die kein eigenes Auto haben und günstig reisen wollen, sind eine wichtige Zielgruppe für die neuen Anbieter.

Die Konkurrenz der ICE-Herausforderer wird allerdings härter. Internationale Branchengrößen ebenfalls in das Geschäft einsteigen. Nach Ostern rollen die ersten Riesen auf den noch jungen deutschen Markt für Fernbusverbindungen. Nur zwei Tage, nachdem der Platzhirsch Deutsche Bahn einen weiteren Ausbau seines Netzes bestätigt hat, präsentiert der britische Anbieter National Express seine Pläne für den größten Verkehrsmarkt Europas.

Die Ansage des Deutschland-Chefs Roderick Donker van Heel ist eindeutig: "Wir wollen innerhalb von fünf Jahren die Nummer Eins in Deutschland werden." In Spanien und auf ihrem Heimatmarkt sind es die Briten längst.

Studentisch geprägte Start-Ups wie "DeinBus" aus Offenbach oder "MeinFernbus" aus Berlin haben die Zeit kurz vor und nach dem Fall des faktischen Fernbusverbots genutzt, um mit ihren auffällig lackierten Fahrzeugen früh in den Markt zu gehen. "FlixBus2 aus München ist seit Februar unterwegs und plant 300 Direktverbindungen durch Deutschland. Zentrales Drehkreuz soll dabei Frankfurt werden.

Im direkten Vergleich mit dem ICE sind die Busse zwar langsamer, aber eben auch meistens deutlich billiger, für viele Menschen ein wichtiges Argument.

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge können sich etwa zwei Drittel der Deutschen vorstellen, mit dem Bus statt mit der Bahn oder dem Privatauto innerhalb Deutschlands zu reisen. Mit Lockvogelangeboten wollen alle Anbieter die Kunden auch vom Komfort der neuen Reiseform überzeugen. Drahtloses Internet an Bord ist anders als bei der Bahn Standard, auch mit luxuriösen Sitzabständen wird geworben. Das unternehmerische Risiko halten die Wettbewerber aber möglichst niedrig. In allen Modellen treten regionale Busbetriebe als Subunternehmer auf, zentral werden Marketing und Vertrieb organisiert.

Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) begrüßt die Liberalisierung. Das neue Verkehrsmittel biete Alternativen für abgehängte Regionen wie auch für einkommensschwache Bevölkerungsschichten. Außerdem könnten die Kampfpreise in den Bussen als Korrektiv für die hohen ICE-Entgelte wirken. Gleichzeitig verlangt der VCD, dass die Fernbusse für ihre Trassen- und Stationsnutzung zahlen, sprich eine Maut bezahlen.

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© Südwest Presse 08.03.2013 07:45
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