Frisches Geld für Italien teurer

Finanzexperten befürchten ein Aufflammen der Euro-Krise
  • Nach der Parlamentswahl in Italien schauen viele Finanzexperten auf den EZB-Präsidenten Mario Draghi. Foto: dpa
Die politischen Unsicherheit in Italien nach der Parlamentswahl sorgt für Nervosität unter Wirtschafts- und Finanzexperten. Für frisches Geld muss der Euro-Kernstaat deutlich höheren Risikoaufschläge zahlen.Nach den Parlamentswahlen in Italien rückt die Euro-Schuldenkrise wieder in den Blickpunkt. "Die Euro-Krise war nie vorbei", sagt Prof. Lüder Gerken, Direktor des Centrums für Europäische Politik (CEP) in Freiburg, einer "Denkfabrik" zur Analyse europäischer Politik.

Gerken erinnert daran, dass Italien bisher mit rund 18 Prozent für den Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM haftet. Sollte das Land dies nicht mehr schaffen, dann stiegen automatisch die Haftungsrisiken für die übrigen Staaten. "Und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Märkte die bange Frage stellen, ob Deutschland noch solch riesige Lasten tragen kann - eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Deutschlands wäre dann zu befürchten."

Demgegenüber sieht der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner, den Euro nicht in Gefahr, nur weil sich die politischen Kräfte in Italien in den nächsten sechs Monaten die Köpfe einschlagen". Länger werde die Regierung ohnehin nicht durchhalten, sagte Fichtner der Online-Ausgabe des "Handelsblatts".

Ökonomen der Citigroup warnten hingegen, die Lösung der Staatsschuldenkrise könnte jetzt schwieriger werden. In den kommenden Tagen werde in Italien entschieden, ob die Eurozone Zukunft habe, meint die Bremer Landesbank.

An den Finanzmärkten hat der drohende politische Stillstand die Zinskosten Italiens bereits spürbar erhöht. Für staatliche Schuldtitel mit einer Laufzeit von einem halben Jahr stieg die Rendite auf 1,24 Prozent, wie die italienische Notenbank mitteilte. Das ist rund ein halber Prozentpunkt mehr als bei einer vergleichbaren Auktion Ende Januar und der höchste Wert seit Oktober 2012. Auf dem bisherigen Höhepunkt der Zinskrise hatte Italien Ende 2011 deutlich mehr als sechs Prozent bieten müssen, um sich für sechs Monate Geld zu leihen.

Unter Ökonomen gilt Italien als Lackmustest für die Frage: Was tut die Europäische Zentralbank (EZB), sollten die Sorgen über den Kurs Italiens dazu führen, dass das hoch verschuldete Land für frisches Geld an den Kapitalmärkten dramatisch höhere Zinsen zahlen muss? Was unternimmt EZB-Chef Mario Draghi, wenn in der Folge die Euro-Schuldenkrise wieder so richtig aufflammt? Draghi hat auch zuletzt nie einen Zweifel an der Fähigkeit der Notenbank aufkommen lassen, im Notfall unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern aufzukaufen.

Wegen der politischen Unsicherheit in Italien blicken Finanzexperten aber auch mit zunehmender Sorge auf das EU-Schwergewicht Frankreich, das wirtschaftlich eng mit Italien verflochten ist. Italien ist für Frankreich nach Deutschland der zweitwichtigste Absatzmarkt. In Paris gab die Börse denn auch stärker nach als in Frankfurt, Bankentitel brachen in Frankreich sogar um rund 5 Prozent ein.
© Südwest Presse 27.02.2013 07:45
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