Großbritannien verliert Bestnote

Ratingagentur Moodys stuft Land und Notenbank herunter
  • Die Bank of England wird schlechter bewertet. Foto: afp
Großbritannien präsentierte sich bisher gern als sicherer Hafen in der europäischen Schuldenkrise. Doch nun entzieht erstmals eine große Ratingagentur dem Land die Bonitäts-Bestnote. Fällt die Maske?Die Ratingagentur Moodys hat Großbritannien die Bestnote für die Kreditwürdigkeit entzogen. Die Agentur stufte das Land und die britische Notenbank am Freitagabend von AAA um eine Stufe auf Aa1 herab. Zur Begründung nannte Moodys die schwächelnde Wirtschaft sowie die steigenden Schulden Großbritanniens.

Moodys erklärte, der Hauptgrund für die Herabstufungen sei "die wachsende Klarheit, dass das Wirtschaftswachstum Großbritanniens trotz einer bemerkenswerten strukturellen wirtschaftlichen Stärke in den kommenden Jahren mau bleiben wird". Die britische Wirtschaft zeichne sich gleichwohl durch eine hohe Wettbewerbsfähigkeit aus und sei breit gefächert, erklärte die Ratingagentur. Außerdem sei der politische Wille vorhanden, der Regierung eine finanzielle Konsolidierung zu ermöglichen. So gesehen sei der Ausblick für das neue Rating Aa1 stabil.

Die Gesamtverschuldung Großbritanniens dürfte einer Voraussage des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge in diesem Jahr 93,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreichen. Moodys erklärte, es sei damit zu rechnen, dass die steigende Schuldenlast der Regierung bis mindestens 2016 zu schaffen machen werde. Zu diesem Zeitpunkt werde das Land mit 96 Prozent des BIP verschuldet sein.

Die seit 2010 amtierende konservative Regierung von Premierminister David Cameron ist bisher mit dem Versuch gescheitert, die Neuverschuldung mit massiven Kürzungsprogrammen in den Griff zu bekommen. Die britische Wirtschaft machte im letzten Quartal 2012 mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent einen ersten Schritt in Richtung Rezession.

Der britische Finanzminister George Osborne sagte, die Entscheidung von Moodys sei eine "eindeutige Mahnung" bezüglich der Schuldenprobleme in Großbritannien und zugleich eine klare Warnung an alle, die dächten, sie könnten diesen Problemen ausweichen. Moodys Bewertung sage klar und deutlich, "dass unsere Situation sich deutlich verschlechtert, wenn wir unser Engagement aufgeben, das Schuldenproblem anzupacken".

Der Finanzexperte der oppositionellen Labour-Partei, Ed Balls, nannte die Herabstufung durch Moodys eine "Erniedrigung". "Die Wahrheit ist, dass die Wirtschaft nicht wächst, dass die Neuverschuldung steigt, dass Familien unter Druck geraten und dass die Regierung eine Politik fortsetzt, die nicht funktioniert.
© Südwest Presse 25.02.2013 07:45
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