Klagedickicht beim Sportwagenbauer

Übernahmeschlacht zwischen Porsche und VW hat ein langes juristisches Nachspiel
  • Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piëch, steht nun auch im Visier der Ermittler. Foto: dpa
Die juristischen Nachwehen des Machtkampfes zwischen Porsche und VW treffen nun die Spitze: Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche. Der deutsche Autobauer sieht sich mehrerer Klagen gegenüber.Die Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen 2008/2009 hat ein langes juristisches Nachspiel. Es geht um strafrechtliche Ermittlungen und auch um Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe. Rückblickend fühlen sich Investoren falsch informiert und um ihr Geld gebracht. Seit August 2012 gehört das Geschäft mit den Sportwagen aus der Porsche AG zwar vollständig zum VW-Konzern - das Klagerisiko bleibt aber weiter bei der Porsche-Holding PSE.

USA: Insgesamt 26 Fondsgesellschaften werfen dem Konzern Betrug und ungerechtfertigte Bereicherung vor. Ursprünglich wollten sie in den USA insgesamt mehr als 1,4 Mrd. Dollar (rund 1 Mrd. EUR) von der Porsche Holding. Der New York State Supreme Court hatte im Dezember allerdings entschieden, dass New York nicht der richtige Gerichtsstand für die Beurteilung der Ansprüche der Hedgefonds sei.

Diese hatten zunächst Berufung angekündigt, schließlich aber darauf verzichtet. Damit ist die Porsche Holding die milliardenschweren Klagen zwar nicht endgültig los, kann die Verfahren damit aber praktisch nach Deutschland holen. Daneben wird auf bundesstaatlicher Ebene darum gerungen, ob US-Gerichte überhaupt zuständig sind.

Landgericht Braunschweig: Dort hingen fünf Klagen von Anlegern an, von denen das Gericht inzwischen zwei zugunsten von Porsche abgewiesen hat. Sie richteten sich gegen die Porsche-Holding PSE. Die übrigen drei Verfahren, bei denen die Klagesumme mehrere Milliarden Euro beträgt und zum Teil auch die Volkswagen AG betroffen ist, haben laut Plan ihren mündlichen Verhandlungstermin am 17. April 2013. Wie im Oktober 2012 bekannt wurde, kam zwischenzeitlich noch eine Klage auf 213 Mio. EUR Schadenersatz hinzu. In diesem Fall haben Anwälte zunächst Zeit für Stellungnahmen.

Stuttgart 1: Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen frühere Porsche-Manager, darunter Ex-Vorstandschef Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter. Es ging um Kreditbetrug, Untreue und Marktmanipulation. Am Ende mussten sich wegen Kreditbetruges Härter und zwei seiner damaligen Führungskräfte verantworten, der Prozess soll 2013 enden. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen Wiedeking und Härter Mitte Dezember 2012 Anklage wegen Aktienkursmanipulation. Zuletzt wurde bekannt, dass die Behörde auch gegen Aufsichtsräte ermittelt.

Stuttgart 2: Das Oberlandesgericht (OLG) entschied Ende Februar, dass VW-Patriarch Ferdinand Piëch seine Pflichten als Aufsichtsrat der PSE während der Übernahmeschlacht beider Unternehmen verletzte. Das OLG erklärte daher die Entlastung des Kontrollgremiums für das Geschäftsjahr 2008/2009 für nichtig.
© Südwest Presse 13.02.2013 07:45
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