Deutsche Wirtschaft schwächelt

Minister Rösler hofft auf ein Anziehen der Konjunktur
Nach einer Schwächephase im Winter soll die deutsche Wirtschaft schnell wieder Tritt fassen. Mit einem deutlichen Wachstum von 1,6 Prozent rechnet Wirtschaftsminister Philipp Rösler aber erst 2014.Die Beschäftigung bleibt auf Rekordniveau, die Einkommen steigen, und die Inflation bleibt moderat - aus Sicht der Arbeitnehmer und Verbraucher klingen die Aussichten für 2013 positiv, die Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) gestern mit dem Jahreswirtschaftsbericht vorlegte. Trotzdem dürfte die Wirtschaft kaum wachsen: Die Bundesregierung rechnet beim Bruttoinlandsprodukt (BIP), also der Summe aller erzeugten Waren und Dienstleistungen, nur mit einem Plus von 0,4 Prozent. Damit korrigierte sie ihre Prognose vom Oktober nach unten, als sie noch auf 1 Prozent gehofft hatte.

Die Vertrauenskrise im Euroraum und die schwache Weltwirtschaft bremsten das Wachstum schon 2012. Im letzten Quartal schrumpfte das BIP sogar um etwa 0,5 Prozent. Im Lauf dieses Jahres soll die Konjunktur wieder deutlich an Fahrt gewinnen. 2014 hofft Rösler auf 1,6 Prozent Wachstum.

Mit seiner Einschätzung liegt der Liberale auf der vorsichtigen Seite. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hält für dieses Jahr ein Wachstum in der gleichen Größenordnung wie 2012 für möglich, als es 0,7 Prozent erreichte. Noch optimistischer ist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, das vor wenigen Tagen für dieses Jahr 0,9 Prozent prognostizierte und für das nächste "mehr als 2 Prozent". Zur gleichen Einschätzung für 2013 kam der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken.

Rösler hofft unter anderem, dass die Unternehmen ihre Zurückhaltung bei den Investitionen beenden. Außerdem setzt er darauf, dass sie und die Arbeitnehmer in diesem Jahr um 8 Mrd. EUR entlastet werden, weil der Beitragssatz zur Rentenversicherung zum Jahresanfang gesenkt und der Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer erhöht wurde. Hinzu kommt die Abschaffung der Praxisgebühr.

Positiv entwickelt sich der Arbeitsmarkt: Trotz des geringen Wachstums soll die Zahl der Erwerbstätigen, die 2012 den Rekordwert von 41,6 Millionen erreicht hatte, um 15 000 steigen. Dabei soll es sich überwiegend um sozialversicherungspflichtige Stellen handeln, also nicht um Minijobs. Dagegen dürfte die Zahl der Arbeitslosen, die im letzten Jahr auf 2,9 Millionen gesunken war, um 60 000 zunehmen.

Zentrale Stütze der Konjunktur soll der private Konsum sein: Die Bruttolöhne je Arbeitnehmer dürften wie schon 2012 um 2,6 Prozent steigen. Da die Inflationsrate trotz steigender Strompreise mit 1,8 Prozent zurückgeht, haben die Arbeitnehmer auch real mehr Geld in der Tasche. Dagegen taugt der Export kaum als Konjunkturlokomotive, auch wenn ihn Rösler als robust bezeichnete: Er dürfte nur um 2,8 Prozent zunehmen. Die Importe sollen deutlich kräftiger wachsen.

Als Herausforderungen für dieses Jahr nannte Rösler neben den Energiepreisen und einer weiteren Entlastung der Bürger die "wachstumsorientierte Konsolidierung" des Bundeshaushalts sowie die Fachkräftesicherung.
© Südwest Presse 17.01.2013 07:45
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