Greift China nach Daimler?

Berichten zufolge will der Staatsfonds CIC bei den Stuttgartern einsteigen
  • Womöglich tritt Daimler-Chef Dieter Zetsche künftig öfters vor chinesischen Schriftzeichen im Hintergrund auf, wie im August 2008 auf einem Empfang während der Olympischen Spiele in Peking. Angeblich will ein chinesischer Staatsfonds bei dem Stuttgarter Autobauer einsteigen. Foto: dpa
Die Gerüchteküche um den Stuttgarter Autobauer Daimler brodelt: Einem unbestätigten Medienbericht zufolge will ein chinesischer Staatsfonds bei den Schwaben als Großaktionär einsteigen.Stuttgart/Peking - Folgen auf die Scheichs die Chinesen? Nach dem Rückzug von Daimlers größtem Einzelinvestor aus Abu Dhabi könnte der Autobauer laut einem Bericht einen neuen Großaktionär in China gefunden haben. Wie die staatliche chinesische Zeitung "People"s Daily" gestern unter Berufung auf Insider schrieb, will der Staatsfonds China Investment Cooperation (CIC) 4 bis 10 Prozent der Daimler-Anteile kaufen. Auf Basis des derzeitigen Daimler-Kurses wäre das ein Marktwert von 1,8 bis 4,6 Mrd. EUR. Der Fonds habe den Bericht nicht kommentieren wollen, schreibt das Blatt.

Eine Sprecherin des Stuttgarter Autobauers sagte gestern auf Anfrage, dass Daimler wie üblich "Medienspekulationen" nicht kommentiere. Zum Thema generell sagte sie: "Wir heißen immer neue Investoren willkommen, da wir an einer ausgewogenen Aktionärsstruktur interessiert sind."

Ähnlich hatte sich Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche vor wenigen Tagen in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" geäußert: "Generell wollen wir so attraktiv für potenzielle Investoren sein, dass wir mehr langfristige Aktionäre für uns gewinnen. Dabei sind uns auch Investoren aus China willkommen."

Eine mögliche Beteiligung aus dem Riesenreich hätte für Daimler auch eine strategische Bedeutung, denn auf dem wichtigen Zukunftsmarkt schwächelt das Unternehmen und fährt der Konkurrenz spürbar hinterher. Ein engerer Kontakt zur Führung des zentralistisch gesteuerten Staates wäre da womöglich von Vorteil für die Vorhaben in der Zukunft. Daimler hatte Ende 2012 angekündigt, viel Geld in eine Reform des China-Vertriebsnetzes zu stecken. Und mit Hubertus Troska gibt es seit kurzem einen eigenen China-Vorstand.

Im Gegensatz zu den Autobauern BMW oder VW, die mit der Familie Quandt beziehungsweise den Familien Porsche/Piëch und dem Land Niedersachsen große Ankeraktionäre im Boot haben, befinden sich die Daimler-Aktien weitgehend im Streubesitz. Daimler könnte damit zum Ziel einer feindlichen Übernahme werden, insbesondere wenn der Aktienkurs stark fallen sollte. Ein Ankeraktionär wie etwa einer aus China käme wie gerufen, nach Ansicht des Branchenexperten Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen: "Daimler ist im Moment ein Schnäppchen", sagt Diez. Das Unternehmen werde an der Börse schlechter bewertet als es tatsächlich sei. Zudem täten sich die Chinesen mit ihren eigenen Autos schwer. Mit einem möglichen Anteilskauf wollen die Chinesen Diez zufolge vor allem vom Know-how der Schwaben profitieren.

Nach dem Medienbericht aus China legten die Daimler-Aktien gestern in einem allgemein eher schwächelnden Dax-Umfeld zu und nahmen teils die 43 EUR-Hürde. Ähnlich viel wert waren die Papiere zuletzt im Frühling 2012. Im vergangenen Oktober hatte der Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi seine verbliebenen Stimmrechtsanteile abgestoßen und hat nun nur noch indirekt über Finanzinstrumente Zugriff auf Daimler-Papiere.

Bereits Ende 2011 hatte es in Deutschland Spekulationen um einen CIC-Einstieg bei Daimler gegeben. Damals hatte das "Manager Magazin" unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, dass man einen chinesischen Investor für eine Beteiligung von 5 bis 10 Prozent suche. CIC galt als Favorit.
© Südwest Presse 08.01.2013 07:45
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