Die Anziehungskraft der Markenartikel

Aldi will angeblich künftig auch Coca-Cola, Persil und Nivea verkaufen
  • So wurde Coca-Cola weltberühmt: Werbeplakat für ein "koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk". Foto: dpa
Aldi ist mit seinem Billigkonzept selbst zu einer Marke geworden. Aber Markenprodukte sind in den Läden kaum zu finden. Doch inzwischen will der Discounter auch mit ganz großen Namen Kunden ködern.Aufgemöbelte Filialen, erweiterte Sortimente: Billig allein reicht im harten Wettbewerb um Lebensmittel schon lange nicht mehr. Das hat auch der führende Discounter Aldi erkannt. Die Schwesterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd haben bereits in den vergangenen Jahren zusätzliche Umsatzbringer gesucht. Frischfleisch und Brötchen aus Backstationen lassen die Kassen klingeln - Geld, dass so manchem Metzger oder Bäcker fehlt.

Jetzt nimmt Aldi angeblich bekannte Markenartikel von Coca-Cola in sein Sortiment. Außerdem soll der Discounter auch nach Nivea und Persil greifen. Eine Bestätigung dafür gibt es allerdings von keiner Seite. Henkel dementiert sogar, dass es solche Pläne für seine wichtigste Waschmittelmarke gibt.

"Der "tägliche" Einkauf findet nicht mehr jeden Tag statt", verdeutlichten die GfK-Marktforscher jüngst den dramatischen Rückgang der Einkaufshäufigkeit. 2003 gingen oder fuhren die Verbraucher im Schnitt noch 270 mal zum Einkaufen, 2011 waren es nur noch 227 Shoppingtrips, berichtet die GfK. Dieses Jahr könnte die Zahl der Einkäufe auf weniger als 220 je Haushalt sinken. Dafür werden pro Einkauf die Körbe voller. "Deshalb ist es umso wichtiger, die Leute in das Geschäft zu ziehen", verdeutlicht der Mitautor der GfK-Studie, Handelsexperte Wolfgang Adlwarth.

Mit langen Ladenöffnungszeiten, einem breiten Sortiment und regelmäßigen Sonderangeboten sind die Supermärkte seit vier Jahren auf dem Vormarsch. Ihr Umsatzanteil im deutschen Lebensmittelhandel belief sich im vergangenen Jahr auf knapp 25 Prozent. Der Umsatzanteil der Discounter nahm zuletzt leicht auf 43,4 Prozent ab.

"Wir haben in letzter Zeit gesehen, dass Aldi nicht mehr so richtig vorangekommen ist", sagt Adlwarth. In der Branche ist es kein Geheimnis, dass Aldis Erzrivale Lidl mit seinen Sonderangeboten bei Markenartikeln am Samstag gepunktet hat. Auch Supermärkte wie Rewe werben mit dicken Prozenten bei einzelnen Markenprodukten.

Die Schnäppchenpreise bei Lebensmitteln haben gewaltige Ausmaße angenommen: Im Lebensmittelhandel ohne Aldi entfällt inzwischen etwa jeder vierte Euro des Markenartikel-Umsatzes auf Sonderangebote. Die Händler erhoffen sich, dass der Verbraucher nicht nur die besonders beworbene Aktionsware in seinen Einkaufskorb packt, sondern zeit- und kostensparend gleich auch den Haupteinkauf in dieser Woche bei ihm erledigt.

Aldi bietet im deutschen Heimatmarkt bislang zahlreiche große Marken nicht an, die bei den Verbrauchern beliebt sind. Im Ausland testet der deutsche Discountriese allerdings schon seit längerem den Verkauf einer größeren Anzahl an Markenartikeln.

Das Aufweichen des Aldi-Konzeptes, das auf ein schmales Sortiment und Eigenmarken setzt, bietet nach Ansicht von Discountexperte Matthias Queck Chancen und Risiken zugleich. Aldi könnte bei neuen Artikeln dank des dichten Filialnetzes über Nacht zu einem der größten Verkäufer aufsteigen.

Andererseits sei Aldi bei Markenartikeln direkt vergleichbar mit der Konkurrenz, die ihn mit Sonderangeboten zeitweilig unterbieten könne. Die Listung von Markenartikeln setze hingegen wieder andere Discounter und Supermärkte unter Druck, die davon profitierten, dass Aldi bestimmte Artikel nicht führe und Kunden deshalb zu ihnen kämen.

Auch mit Coca-Cola hat Aldi Erfahrung gesammelt: "In Österreich hat die Listung bei der Aldi-Tochter Hofer zu einem extrem scharfen Preiskampf geführt, so dass der Preis jetzt dauerhaft im Keller ist", schildert Queck. Die Konkurrenz habe auf die Listung von Coca-Cola mit Preissenkungen unter den Hofer-Preis reagiert. Laut "Lebensmittel Zeitung" will Aldi ab dieser Woche Coca-Cola-Marken auch in Deutschland einführen. Und der Coke-Literpreis würde dem von Lidl entsprechen, was Marktbeobachter als "Friedensangebot" bewerteten.

Aldi und Coca-Cola bestätigten nichts. Andere dementieren dagegen die Berichte.
© Südwest Presse 01.10.2012 07:45
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