KOMMENTAR: Völlig unzulänglich

Weniger Antibiotika in der Tiermast, hat sich Agrarministerin Ilse Aigner auf die Fahnen geschrieben. Recht hat sie. Schon viel früher hätte die Oberbayerin dieses Ziel in Angriff nehmen müssen, da Krankheitserreger zunehmend gegen Antibiotika resistent werden und immer mehr Menschen auf eine Behandlung mit diesen Medikamenten nicht mehr ansprechen. Daher mag man es sich gar nicht vorstellen, dass allein im vergangenen Jahr 40 Mal so viel Antibiotika in deutschen Ställen landeten als in den Krankenhäusern der Republik verabreicht wurden.

Nur, was Ilse Aigner in der kommenden Woche als Gesetzentwurf vorlegen will, ist im Grunde völlig unzulänglich: Nur wenn Tiermäster mit ihrem Antibiotika-Verbrauch den gesamtdeutschen Durchschnittswert übertreffen, müssen sie Pläne zur Verminderung dieser Medikamentenflut vorlegen. Sanktionen für den Fall, dass dabei nur Papier bedruckt wird, sieht der Entwurf ausdrücklich nicht vor. Dann kann die Ministerin die ganze Aktion auch gleich abblasen.

Doch selbst wenn ihre Pläne strafbewehrt wären, wirklich angemessen wären sie damit noch immer nicht. Wer ernsthaft den Antibiotika-Einsatz in der Tiermast auf das Unvermeidliche begrenzen will, muss der Massentierhaltung einen Riegel vorschieben.
© Südwest Presse 15.09.2012 07:45
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