KOMMENTAR: Wo jenseits von Eden beginnt

Die Forderung nach weniger Geld für Top-Manager ist mehrheitsfähig und opportun, zumal in diesen Krisenzeiten. Auch wenn sie Martin Blessing leicht fallen mag, weil er als Chef der - freilich auch mäßig erfolgreichen - Commerzbank ohnehin abgeschlagen am Ende der Gehaltsliste deutscher Top-Manager steht, hat sie aus seinem Mund durchaus Gewicht. Mit Annäherung an die Gehälter der Industrie hat Blessing sicher nicht VW-Chef Winterkorn (17,5 Mio. EUR Jahresgehalt) im Auge, sondern eher Manager, die sich mit 2,5 und 1,7 Mio. EUR begnügten. Das ist immer noch ein Haufen Geld.

Lufthansa-Aufsichtsratschef Jürgen Weber sieht 5 Mio. EUR als Obergrenze und bezeichnet das schon als 'jenseits von Eden'. Mit Blessing gibt er eine Richtung vor, über die aber nicht der Gesetzgeber, sondern Aufsichtsräte und Aktionäre entscheiden müssen.

Im Übrigen wird man sich in den Banken umstellen müssen. Automatische Zuschläge von 20 Prozent für jeden Tarifangestellten wie bei der bundeseigenen KfW oder die Tatsache, dass dort mehr als zwei Drittel aller Mitarbeiter über Tarif bezahlt werden, mutet fantastisch an. Mit Neid hat all dies nichts zu tun. Es geht um faire, angemessene Entlohnung für gute Arbeit. An der Spitze wie an jeder anderen Stelle eines Unternehmens.
© Südwest Presse 06.09.2012 07:45
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