Banken nach Scharia-Regeln

Diskussion um islamische Institute, die keinen Zins verlangen dürfen
  • In manchen Stadtteilen (wie hier in Berlin-Neukölln) oder Straßen leben vorwiegend Muslime. Doch eine islamische Bank gibt es bislang noch nicht in Deutschland. Jetzt könnte sich das ändern. Foto: dpa
Eine türkische Bank plant angeblich eine Niederlassung in Frankfurt und Berlin, die nach den Regeln der Scharia arbeitet. Dabei scheint das Interesse der Türken in Deutschland gering zu sein.Die Münchener Straße im Frankfurter Bahnhofsviertel gleicht einem Schmelztiegel. Auf wenigen hundert Metern sind so viele Nationalitäten vertreten wie an kaum einer anderen Stelle in der Republik. Türkische Friseure, Lebensmittelgeschäfte und Döner-Restaurants prägen das Bild. In Hinterhöfen stößt man auf Moscheen. Auch Banken gehören zum Straßenbild: Zwar kein deutsches Institut, dafür bietet ein marokkanisches Geldhaus seine Dienste an, dazu drei Filialen türkischer Banken.

Möglicherweise kommt mit der Kuveyt Türk 2013 eine weitere dazu. Und damit eine Bank, die erstmals auch islamische Anlage-Produkte offeriert. Die gibt es in ganz Deutschland nicht. Aus gutem Grund: Der angeblich so lukrative Markt für islamische Geldanlage scheint doch nicht so attraktiv - trotz der allein rund 4,4 Mio. Türken in Deutschland.

Gleichwohl bereiten die Manager der Kuveyt Türk aus Istanbul angeblich einen Antrag auf Genehmigung einer den Regeln der Scharia - dem islamischen Recht - folgenden Bank in Frankfurt bei der Finanzaufsicht Bafin vor. Dem Vernehmen nach soll ein Ableger in Berlin folgen. Offiziell gibt es keine Bestätigung. Zwar besitzt Kuveyt Türk bereits seit 2010 eine Filiale in Mannheim. Die allerdings darf keine Scharia-konformen Anlageprodukte verkaufen, sondern kann Geld der Kunden nur in die Türkei weiterleiten.

Seit Jahren keimt die Debatte über islamische Banken und Anlageprodukte immer mal wieder auf. Angeblich gibt es in Deutschland ein erhebliches Potenzial und großes Interesse, wie das Institut of Islamic Banking und Finance (IFIBAF) in Frankfurt betont. Etwa 1,2 Mrd. EUR könnten hierzulande jedes Jahr in islamische Finanzprodukte fließen, heißt es bei der Unternehmensberatung Booz & Company.

Der Markt sei im letzten Jahrzehnt weltweit pro Jahr mit 20 Prozent gewachsen, sagt ein Kuveyt Türk-Manager. Allerdings gilt dies vornehmlich für die Golfstaaten und stark vom Islam geprägte Länder. In Europa wächst das Geschäft allenfalls in Großbritannien.

Warum es in Deutschland mit dem Islam-konformen Bankgeschäft hakt, hat diverse Gründe, wie eine Studie der Gustav-Stresemann-Stiftung zeigt. 'Nachfrage und Einkommen der in Deutschland lebenden Muslime sind dafür zu gering', sagt Studienautorin Rebecca Schönenbach. Bei einem Pro-Kopf-Einkommen von monatlich rund 500 EUR sei es generell kaum möglich zu sparen. Zudem hätten nur 5 Prozent der Muslime wirklich Interesse an islamischen Finanzprodukten. Ohnehin überweisen offenbar viele Türken einen Großteil des Geldes in die Heimat.

Nach der Finanzkrise 2008 hatten islamische Institute auf Zulauf gehofft. Schließlich waren sie nicht für die Krise verantwortlich. Es war ein Irrglaube. Der Vermögensverwalter Meridio wickelt gerade seinen 'Islamic Funds' ab. Auch die Commerzbank hat einen Islamfonds längst wieder aufgegeben. In ihren Bankamiz-Filialen, mit denen die Deutsche Bank gezielt türkische Kunden in Deutschland anspricht, bietet sie keine islamischen Produkte an. Die Nachfrage fehlt.

Gesunken ist auch das Interesse an islamischen Anleihen, den so genannten Sukuks. Islam-Gelehrte sind sich nicht einig, ob die wegen des Zinsverbots besonders konstruierten Anleihen Scharia-konform sind.

Bafin-Präsidentin Elke König gibt sich aufgeschlossen. 'Die deutsche Aufsichtsgesetzgebung ist weltanschaulich neutral', sagt sie. Sollten die gesetzlichen Anforderungen erfüllt sein, könnte in Deutschland eine islamische Bank starten.
© Südwest Presse 06.09.2012 07:45
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