Superschnelle Gewinne mit hohem Risiko

Bundesinnenminister Schäuble will Hochfrequenzhandel an den Börsen regulieren
  • Ein Blick in den Innenraum der Frankfurter Börse. Spezielle Computerprogramme erlauben den Maklern sekundenschnelles Handeln. Foto: dpa
Der superschnelle Handel an den Börsen verspricht hohe Gewinne in Sekundenbruchteilen. Er ist aber auch mit hohen Risiken verbunden. Innenminister Wolfgang Schäuble strebt eine schärfere Regulierung an.Es waren Computerprobleme und eine offenbar fehlerhafte Software: Beides führte dieser Tage dazu, dass der US-Finanzdienstleister Knight Capital massenhaft falsche Handelsaufträge schrieb und mit einem Mal auf einem Berg viel zu teuer gekaufter Aktien saß. Mit 400 Mio. Dollar musste die Firma gerettet werden. Der Vorfall zeigt die Risiken beim Einsatz von Computern an der Börse.

Die bestehen auch beim Hochfrequenzhandel, bei dem Wertpapiere in Mikrosekunden ge- und verkauft und Milliarden hin und her geschoben werden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will diesen bisher kaum kontrollierten Bereich jetzt mit einem Gesetz regulieren.

Beim Hochfrequenzhandel geht es um Schnelligkeit. Dabei nutzen Banken und Wertpapierfirmen verschiedene Strategien: Per Computer werden etwa laufend Preisunterschiede für Wertpapierpapiere an verschiedenen Börsen analysiert. Schon bei Differenzen von wenigen Cent winken satte Gewinne, weil es in der Regel um große Aufträge geht und pro Tag etliche Geschäfte getätigt werden. An Börse A wird günstig gekauft, an Börse B teurer verkauft. Dies alles spielt sich in weniger als einer Sekunde ab. In der Spitze wird innerhalb von 250 bis 300 Mikrosekunden, also innerhalb von einer viertel Sekunde gehandelt.

An der Deutschen Börse entfallen nach Angaben eines Sprechers 45 bis 50 Prozent des Auftragsvolumens auf den Hochfrequenzhandel und das so genannte Algo-Trading, bei dem Computer Börsengeschäfte ebenfalls mit hoher Geschwindigkeit abwickeln. Rund ein Viertel der bei der Deutschen Börse registrierten Banken und Finanzdienstleister praktizieren den schnellen Börsenhandel. In den USA sollen 70 Prozent im superschnellen Handeln erfolgen.

Die Folgen des superschnellen Börsenhandels sind umstritten. 'Den Hochfrequenzhandel generell zu verteufeln geht in die falsche Richtung. Entscheidend ist die jeweilige Strategie', sagt Peter Gomber, Professor für elektronische Finanzmärkte an der Uni Frankfurt. Mit einzelnen Strategien sei die Gefahr von Manipulation verbunden. Viele andere sorgten aber für Liquidität im Markt und sicherten Preiseffizienz. Das sei positiv, sagt Gomber. Der Hochfrequenzhandel sei ein Gefahrenherd, der Übertreibungen am Mark und Krisenentwicklungen an der Börse verstärken könne, betont dagegen Elke König, Chefin der Finanzaufsicht Bafin.

Gesetzliche Regeln für den Hochfrequenzhandel gibt es derzeit nicht. Das will Finanzminister Schäuble mit dem Entwurf für ein 'Gesetz zur Vermeidung und Gefahren im Hochfrequenzhandel' ändern. König fordert wie bei schnellen Autos, für die sich die Hersteller auf eine Beschränkung auf 250 Stundenkilometer verständigten, auch ein Tempolimit an der Börse.

Anfang 2010 pochten bei einer Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW zwei Drittel von 200 Finanzexperten auf verschärfte Regeln. 70 Prozent sahen im Hochfrequenzhandel eine Gefahr für die Finanzstabilität.

Schäubles Vorstoß trifft durchaus die Erwartungen der Börsenbetreiber, obwohl sie mit dem Hochfrequenzhandel gute Umsätze tätigen. Aber sie sorgen sich gleichzeitig, dass der schnelle Handel ihre Systeme überlasten könnte.
© Südwest Presse 09.08.2012 07:45
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