KOMMENTAR: Nicht das Ende des Euro

Wer zu dramatischen Deutungen drängt, spricht von der Schicksalswahl für den Euro, die morgen in Griechenland stattfindet. Wer es sachlicher sieht, erinnert sich an eine ganze Reihe von vermeintlich schicksalhaften Entscheidungen für den Bestand des gemeinsamen europäischen Währungsverbundes.

Es gibt den Euro immer noch. Und es würde ihn auch nach einem Sieg der linksradikalen Partei Syriza geben. Vielleicht nicht in Griechenland. Aber das wäre nicht das Ende des Euro, sondern brächte nur das kleine Land in eine Lage, die niemand dort wünschen kann.

Die Schuldenkrise im Süden hat schonungslos offen gelegt, dass nicht zwangsläufig zusammenwächst, was zusammen gehört. Der Euro steht in der Tat unter einem immensen Stresstest. Die Wahl in Griechenland ist nur eine, wenn auch bedeutende Belastung mehr, welche die Währung stemmen muss.

Es ist wahr: Die bisherigen Konzepte sind gescheitert. Doch sie werden korrigiert, ohne sie zu verraten. Denn die Spar- und Reformauflagen für die Südstaaten bleiben richtig. Das richtige Maß dabei zu finden, ist ein schwieriger und jahrelanger Prozess mit Rückschlägen. Griechenland ist ein herber Rückschlag. Aber es ist nicht das Ende des Euro. Auch nicht der Anfang vom Ende.
© Südwest Presse 16.06.2012 07:45
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