Fairer Kaffee künftig ohne Siegel

Fairer Kaffee ohne Siegel: Deutschlands größte Fair-Trade-Organisation, Gepa, will bei den meisten Waren auf das blau-grün-schwarze Gütezeichen verzichten. Nach wie vor seien alle Produkte fair gehandelt, erläutert Geschäftsführer Thomas Speck. 'Doch wir wollen die Marke Gepa in den Mittelpunkt stellen.' Was bei dem Unternehmen als 'richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt' gilt, stößt bei anderen auf Kritik.

Negative Reaktionen kommen vor allem von Verbraucherschützern. Sie fürchten, dass der bereits unübersichtliche Markt für mehr oder weniger nachhaltig, ökologisch und sozial angebaute oder gefertigte Waren weiter 'zerfleddern' könnte. 'Die hohe Bekanntheit dieses Siegels kommt dem Informationsbedürfnis der Verbraucher entgegen', sagt Georg Abel von der Verbraucher Initiative. Kunden suchten Orientierung, eine weitere Diversifizierung stifte Verwirrung. Vor allem Großunternehmen wie Kraft, Chiquita, Tchibo oder Nestlé verwenden zunehmend Siegel wie 'Rainforest Alliance' oder 'CCCC', denen wesentlich weniger strenge Kriterien zugrunde liegen.

Die Entwicklungsorganisation Oxfam fürchtet einen Schaden für das Fair-Trade-Siegel und letztlich für die Produzenten. 'Jedes Produkt mit Siegel trägt zur Bekanntheit und Verbreitung bei', erläutert die Arbeitsrechtsexpertin der Organisation, Franziska Humbert.
© Südwest Presse 12.06.2012 07:45
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