Mit einigen Cents Gutes tun

Initiative 'Deutschland rundet auf' fehlt aber offizielles Spendensiegel
Mit einer neuen Art zu spenden, ist die Initiative 'Deutschland rundet auf' erfolgreich. Bisher unterstützen 15 Firmen die Idee mit Cent-Beträgen großes zu bewirken. Doch es gibt auch Kritik.Es sind nicht nur Discount-Läden und Lebensmittelketten wie Kik, Netto oder Penny, sondern auch Firmen wie Douglas, Görtz, WMF oder Sport Scheck. Verbraucher, die dort einkaufen, können bis zu 10 Cent für einen guten Zweck drauflegen und damit soziale Projekte in Deutschland unterstützen. 'Deutschland rundet auf' heißt die Initiative, die Anfang März an den Start ging und seitdem deutlich mehr als 170 000 EUR gesammelt hat.

Das Prinzip: Wer etwa für 7,41 EUR oder auch 23,47 EUR einkauft kann einfach die Kaufsumme auf 7,50 EUR oder 23,50 EUR aufrunden. 9 und 3 Cent sind in diesen Fällen jeweils eine Spende. Der Spendenbetrag erscheint auf dem Bon. Das Geld geht an soziale Projekte. Wenn nur 10 Prozent der 50 Mio. Verbraucher, die täglich einkaufen, bis zu 5 Cent spendeten, kämen jeden Tag 250 000 EUR zusammen, schwärmt Christian Vater, Initiator und Geschäftsführer von 'Deutschland rundet auf'. Bis dahin ist es noch ein Stück: Bis Ende April haben Verbraucher insgesamt rund 4 Millionen Mal aufgerundet. Sie unterstützen damit das Projekt ' Eltern AG'.

An 40 000 Kassen in 12 000 Filialen von 15 Händlern aus diversen Branchen sollen die blauen Aufkleber mit dem Motto 'Aufrunden bitte!' die Verbraucher zum Spenden animieren. 'Unser Ziel ist, mit Cent-Beiträgen soziale Probleme in Deutschland zu lösen', sagt Vater, ein ehemaliger Musikmanager und gelernter Bankkaufmann aus Berlin. Es gehe um nachhaltige Wege etwa zur Überwindung von Kinderarmut, Jugendgewalt, oder mangelnder Chancengleichheit. Dabei fließen die Spenden zu 100 Prozent an das jeweilige Projekt, versichert Vater. Generell wird immer nur ein Vorhaben mit einer bestimmen Summe gefördert. Ist diese erreicht, kommt das nächste Projekt dran.

Ob dies alles einwandfrei läuft, wird derzeit unter die Lupe genommen. 'Wir prüfen noch', sagt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für soziale Fragen (DZI), das Spendenorganisationen bewertet. Dabei geht es vor allem um Kosten-Transparenz. Mit einer Empfehlung hält sich das DZI noch zurück. Ein offizielles Spendensiegel fehlt 'Deutschland rundet auf' damit noch.

Die Kosten für die Initiative, die ähnlichen Beispielen aus den USA und England folgt, tragen die Firmen, die ihre Kunden zum Aufrunden animieren. Sie zahlen einen Mitgliedsbeitrag, der je nach Umsatz im vier- oder fünfstelligen Bereich liegt. Zudem müssen sie die Kassen umrüsten, damit die Cent-Differenz aus den aufgerundeten Beträgen auch auf dem Extra-Konto landen, sie müssen das Personal schulen. Zudem zahlen Medien-Konzerne einen Millionenbetrag für Werbemaßnahmen.

Die 15 Firmen, die mitmischen, geben das Geld gerne aus, offenbar auch in der Hoffnung, dass sie etwas für ihr Image tun. So ist beispielsweise WMF-Marketing-Leiter Bernd Lietke begeistert, mit vielen kleinen Gesten und Cents wichtige soziale Projekte zu unterstützen. Doch es gibt auch skeptische Töne. Kritiker halten Kik vor, Näherinnen in Bangladesh aber Hungerlöhne von 30 EUR im Monat g zu zahlen. Beim Discounter Netto würden zum Teil gerade mal 5,50 EUR pro Stunde gezahlt, Überstunden nicht vergütet und Beschäftigte schikaniert. Die Initiative 'Deutschland rundet auf' kümmert das wenig. 'Das hat nichts mit unserem Engagement zu tun', sagt Katrin Workert von 'Deutschland rundet auf'. Jeder Kunde kann frei entscheiden ob er aufrundet 'Wir machen ein Angebot. Bei dem jeder mitmachen kann aber niemand muss.'
© Südwest Presse 01.06.2012 07:45
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