Apple wegen E-Books unter Druck

US-Kartellbehörden gehen von Preisabsprachen aus - Klage auch gegen Verlage eingereicht
  • Ein iPad Tablet, im Hintergrund ein Bücherregal. Apple stieg mit der Markteinführung des iPad-Tablets in das E-Book-Geschäft ein. Foto: dpa
Bücher kann man lesen, in dem man sie in die Hand nimmt, oder in dem man sie als Datensatz herunterlädt. Um letztere Variante, die so genannten E-Books, ist in den USA nun ein Kartellstreit entbrannt.Der Streit zwischen Apple und den US-Kartellrechtsbehörden hat sich zugespitzt. Behauptungen des Justizministeriums, wonach der iPad Hersteller mit prominenten Verlagen ein eigenes Preismodell entwickelt habe, um sich selbst einen Anteil am Verkaufspreis zu sichern, seien schlichtweg unwahr, sagte ein Konzernsprecher.

Vergangene Woche hatte das Justizministerium gegen Apple und fünf Großverlage Klage eingereicht wegen einer angeblichen 'Preisverschwörung'. Ziel der Absprachen soll es gewesen sein, auf diesem Wege die Endpreise heraufzusetzen und andere Anbieter elektronischer Versionen von Bestsellern aus dem Markt zu drängen. 'Wir sind überzeugt, dass als Ergebnis dieser Verschwörung Verbraucher für einige der beliebtesten Titel Millionen von Dollars zu viel gezahlt haben', sagte Justizminister Eric Holder. Konkret soll es darum gegangen sein, Amazon, den mit Abstand größten Anbieter von E-Books, unter Druck zu setzen und andere, kleinere Online-Buchhändler in die Knie zu zwingen.

Bis zum Erscheinen des iPad hatte Amazon die elektronischen Versionen vieler populärer Bücher zum Einheitspreis von 9,99 Dollar angeboten. Die Wettbewerbshüter in Washington behaupten, dass Apple mit den Verlagen vereinbart habe, dass diese die Preise selbst bestimmen können. Von dem heraufgesetzten Endpreis durfte Apple angeblich 30 Prozent einbehalten. Ohne auf die Vorwürfe einzugehen, erklärte ein Unternehmenssprecher, Apple habe 'Amazons monopolistischen Griff auf die Verlagsindustrie gebrochen'.

In der Klageschrift heißt es, dass das Preismodell erstmals 2009 angewandt worden sei. Bis dahin waren E-Books fast nur von Amazon zum Herunterladen auf den hauseigenen Kindle verkauft worden. Durch die Absprachen stiegen die Preise von Bestsellern binnen Tage von 9,99 auf 12,99 bis 16,99 Dollar. Auch Amazon war gezwungen, die Preise um bis zu 70 Prozent heraufzusetzen, da die Verlage drohten, dem Internetanbieter ansonsten die Rechte zur elektronischen Veröffentlichung ihrer Bücher zu entziehen. Bei den Kartellwächtern besteht kein Zweifel, dass Apple sowie die fünf angeklagten Verlage gegen das Gesetz verstießen. 'Manager auf der allerhöchsten Ebene wussten genau, was sie taten', erklärte Sharis Pozen, Chefin der Kartellrechtsabteilung des Justizministeriums. 'Damit wurde sichergestellt, dass binnen kürzester Zeit Verbraucher gezwungen wurden, deutlich mehr zu zahlen.' Angeklagt wurden neben Apple die Verlage Hachette, HarperCollins und Simon & Schuster, die mit der Regierung schon einen Vergleich schlossen.

Deren Konkurrenten Penguin und MacMillan wehren sich gegen den Vorwurf und wollen nun eine Gegenklage einreichen. 'Die Konditionen, die uns das Justizministerium aufzwingen wollte, waren schlichtweg unannehmbar', sagte MacMillan-Chef John Sargent. Die Regierung schlage sich eindeutig auf Amazons Seite, dessen Marktanteil so von derzeit 60 Prozent wieder auf 90 Prozent steigen könne.

Das Vorgehen der Regierung hat in den USA eine Debatte entfacht über die Einführung einer gesetzlichen Preisbindung für Bücher und andere Verlagsprodukte. Die Kritiker behaupten, dass die Klage so etwas wie eine faktische Preisbindung zur Folge habe und es nun wieder allein Amazons Sache sei, Preise festsetzen zu können, die für die Verlagsindustrie Kosten deckende Produktion fast unmöglich machen.
© Südwest Presse 17.04.2012 07:45
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