Opels nächste Rettung

Aufsichtsrat berät Sparkonzept mit Lohnverzicht - Standort Bochum bangt
Es geht mal wieder um die Zukunft von Opel: Der Aufsichtsrat berät ein neues Sparpaket, das den Autobauer sanieren soll. Vor allem am Standort Bochum geht die Angst vor dem Kahlschlag um.Bei Opel ist eine neue Runde im Kampf gegen Milliardenverluste, Absatzschwäche und Überkapazitäten eingeläutet worden. Gestern begannen im Aufsichtsrat des verlustreichen Autobauers Beratungen über die Sanierung des Traditionsherstellers. Die Marke mit dem Blitz leidet extrem unter der Nachfrageflaute in Europa, ihrem einzigen bedeutenden Absatzmarkt. Die Mitarbeiter von Opel müssen sich erneut auf tiefe Einschnitte gefasst machen.

Nach außen gibt sich der neue Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug vorerst zurückhaltend. Es gilt, das Verhältnis zum Management nicht voreilig zu verspielen. Hinter verschlossenen Türen dürfte der Ton aber rauer sein.

Denn um die Tochter des US-Konzerns General Motors (GM) wieder auf die Erfolgsspur zu bringen, stehen auch ein weiterer Lohnverzicht und der Wegfall von Zuschlägen zur Diskussion. Zudem ist die Angst vor Stellenstreichungen groß. Betriebsräte und Gewerkschaften werfen dem Management außerdem vor, einzelne Standorte gegeneinander ausspielen zu wollen und die Arbeitnehmervertretungen unter brutalen Druck zu setzen.

Die Betriebsräte lehnen eine neuerliche Schrumpfkur ab. 'Die Bereitschaft, weitere Opfer zu bringen, ist denkbar gering', hatte Schäfer-Klug der Mitarbeiterzeitung 'Opel Post' gesagt. Aufsichtsratsmitglied Armin Schild von der IG Metall schimpfte: 'GM und damit Opel bleiben stur bei einer knallhart kostengetriebenen Kurzfristlogik.' Statt automobile Konzepte zu liefern, würden immer wieder Sparschweine durch die europäischen Opel-Standorte getrieben. Die Arbeitnehmer fordern Investitionen in Modelle, Technologien und neue Märkte.

Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke hatte mehrfach zugesichert, dass sich das Management an bestehende Verträge halten werde. Diese schließen betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen bis 2014 aus.

Trotzdem gelten die Werke in Bochum sowie im englischen Ellesmere Port als gefährdet - nicht sofort, aber vom Jahr 2015 an. Der Bochumer Betriebsrat und die IG Metall in Nordrhein-Westfalen warnten die Konzernmutter General Motors bereits, sie würden das Aus für Bochum niemals akzeptieren oder sozialverträglich gestalten.

Experten sind von den Fahrzeugen aus Rüsselsheim, Bochum und Eisenach zum Teil höchst angetan. Trotzdem: Genügend Käufer findet Opel für Insignia, Astra, Corsa und Co nicht. Es sieht weiter trübe aus für Opel. Im letzten Quartal 2011 sollen mehr als 40 Prozent der Autos direkt von Opel oder von Händlern zugelassen und mit hohen Rabatten verkauft worden sein. Was die Lage beschönigt. In diesem Jahr sind die Neuzulassungen trotzdem um ein Fünftel abgerutscht, der Marktanteil von Opel in Deutschland liegt bei mageren 7 Prozent.

Und die Aussichten sind bescheiden. Im Herbst vergangenen Jahres hatte Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke für 2012 endlich wieder einen Netto-Gewinn im Blick. Daraus wird abermals nichts. Auch in diesem Jahr wird das Traditionsunternehmen tief in die roten Zahlen rutschen. Seit mehr als zehn Jahren hat Opel keinen Gewinn mehr verbucht. In Summe dürften sich die Verluste auf etwa 6,6 Mrd. EUR belaufen.
© Südwest Presse 29.03.2012 07:45
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