'Patzer' bei der Deutschen Bank

Aufsichtsrat kippt den Kandidaten des künftigen Konzernchefs Jain
  • Kassierte seine erste Schlappe schon vor dem Amtsantritt als Deutsche-Bank-Co-Chef: Anshu Jain
Im erweiterten Vorstand der Deutschen Bank sitzen 18 Personen - aber nicht der vom künftigen Konzernchef Anshu Jain ausgeguckte Risikovorstand. 'Ein peinlicher Patzer', sagen Experten.Noch bevor die beiden neuen Co-Vorstandschefs der Deutschen Bank Ende Mai ihren Job übernehmen, haben sie ihre erste Niederlage kassiert. Der vor allem von Anshu Jain als künftiger Risiko-Vorstand favorisierte Amerikaner William Broeksmit wird nicht in den Vorstand aufrücken. Der Aufsichtsrat bestimmte dagegen gestern den 46jährigen Schotten Stuart Lewis zum neuen obersten Risiko-Manager der Bank - und folgte damit der Vorgabe der Bankenaufsicht Bafin. Die hatte Broeksmit - für Jain und Jürgen Fitschen offenbar völlig überraschend - abgelehnt. 'Das ist hochpeinlich. Man klärt vorher, ob jemand akzeptiert wird oder nicht', sagt ein Banker in Frankfurt.

Details zu der Ablehnung des Amerikaners nannten am Freitag weder die Deutsche Bank noch die Bafin. Ob die Entscheidung auf der Basis eines persönlichen Gesprächs mit Broeksmit erfolgte oder nach Analyse eingereichter Unterlagen, war nicht in Erfahrung zu bringen. Nach Paragraph 33 des Kreditwesengesetzes kann die Bankenaufsicht die Erlaubnis zur Führung eines Instituts versagen- egal ob es sich um eine Volksbank oder einen Bankkonzern handelt - , wenn sie Qualifikation und Zuverlässigkeit des Kandidaten anzweifelt oder nicht überzeugt ist, dass er ein größeres Teams leiten kann. Vor allem letzteres soll den Ausschlag gegen Broeksmit gegeben haben, denn er soll bisher nur ein Team von 200 Mitarbeitern geführt haben. Der jetzt berufene Lewis dagegen sei für rund 4000 Mitarbeiter verantwortlich. Nach Ansicht von Christoph Schalast, Banken-Professor an der Frankfurt School of Finance, hat die Bafin wahrscheinlich genauer hingeschaut, weil es sich um den Risikovorstand einer systemrelevanten Bank handelt. Sollte es dort Probleme geben, könne schnell der Steuerzahler in die Pflicht genommen werden. 'Einen solch spektakulären Fall habe ich noch nicht erlebt.' Offenbar sei bei der Deutschen Bank intern etwas schiefgelaufen. Es passiert zwar mitunter schon, dass die Bankenaufseher einen Kandidaten ablehnen, aber in der Regel gilt die Zustimmung als reine Formsache.

Andere Beobachter in Frankfurt sprechen von einer Ohrfeige und einem Reinfall für Jain, der mit Broeksmit einen engen Vertrauten in den Vorstand holen wollte. Jain und Broeksmit waren 1996 gemeinsam von Merrill Lynch zur Deutschen Bank gekommen. Der Amerikaner gilt aber als Manager der sehr genau auf die Risiken schaut. Nachhaltig geschädigt sei Jain durch den personellen Reinfall aber nicht, heißt es. Außerdem ist Broeksmit nur eine Person des umfassenden Personalumbaus, den Jain anstößt.

Während der derzeitige Risiko-Vorstand Hugo Bänziger und IT-Vorstand Hermann Lamberti Ende Mai gehen müssen, bestätigte der Aufsichtsrat neben Lewis mit dem Amerikaner Henry Ritchotte sowie dem Österreicher Stephan Leithner (ein auch bei deutschen Firmen geschätzter Banker) drei Herren aus 'Anshus Army', wie Jains Vertraute intern genannt werden, als neue Vorstandsmitglieder.
© Südwest Presse 17.03.2012 07:45
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