KOMMENTAR: Keine Staatsaffäre

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann teilt jetzt das Schicksal von US-Präsidenten, die nicht wiedergewählt werden können. Im Wahljahr werden sie zur 'lame duck', zur lahmen Ente. Denn wichtige Entscheidungen treffen andere. Ackermanns Ausscheiden nach zehn Jahren an der Spitze bringt starke Veränderungen. So gesehen ist der Rausschmiss von zwei langjährigen Vorstandsmitgliedern keine Überraschung.

Die beiden neuen Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen setzen Zeichen. Auch in der zweiten Führungsebene rücken neue Manager nach, auch die Verantwortlichkeiten werden offenbar neu geregelt. Was bei Großunternehmen alles andere als ungewöhnlich ist, wird bei der Deutschen Bank fast zur Staatsaffäre.

Der Boulevard regt sich auf, Politiker in Berlin melden ihre Bedenken an, obwohl sie wahrscheinlich die Namen der neuen Manager noch nie gehört haben. Von Putsch ist an anderer Stelle die Rede. Dabei berufen die beiden Neuen nur Führungskräfte, die schon seit Jahren für das Geldhaus arbeiten. Das ist keine Revolution, sondern eher Evolution.

Es kommt kein Deutscher neu in den Vorstand. Die Deutsche Bank wird sich global weiter verstärken müssen, wenn sie Weltspitze bleiben will. In Deutschland ist sie ohnehin unangefochten die Nummer eins.
© Südwest Presse 09.03.2012 07:45
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