Audi auf Rekordfahrt

China ist der wichtigste Exportmarkt - Ausbaupläne für Neckarsulm
  • Auch mit dem Elektro-A 1 will Audi künftig kräftig punkten. Foto: afp
Audi bricht alle Rekorde. Die VW-Tochter hat noch nie so viele Autos verkauft und so gut verdient wie 2011. Auch für das laufende Jahr sind die Aussichten für den Ingolstadter Premium-Hersteller prächtig.Der Weg zum Premiumhersteller war lang: Mehr als zwei Jahrzehnte hat Audi an seinem guten Ruf gearbeitet, betont Vorstandschef Rupert Stadler, und nun zahle es sich aus. 1,3 Mio. verkaufte Autos sind für die VW-Tochter ein noch nie erreichter Sprung nach vorn. Dazu kommt ein Umsatzzuwachs von fast 25 Prozent, und beim Vorsteuerergebnis sogar 66 Prozent plus: 'Das war das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte', bilanziert Stadler.

Wachstumstreiber ist einmal mehr der chinesische Markt, nirgendwo sonst hat Audi mehr Fahrzeuge verkauft als im Reich der Mitte. 90 Prozent gingen an private Kunden, nur einen kleinen Teil wird noch an staatliche Flotten geliefert. Dabei, sagt Marketingvorstand Peter Schwarzbauer, 'kratzen wir erst an der Oberfläche'. In vielen Megastädten sind die Bayern noch gar nicht vertreten, bis zum kommenden Jahr wird das Händlernetz verdoppelt, geht der Autobauer auch in die Fläche.

Weil die asiatische Kundschaft aber ungeduldig ist und die Lieferzeiten im Durchschnitt bei vier Monaten liegen, wird ein zweites Werk gebaut. Ab 2013 läuft dort der kleine A3 vom Band, insgesamt verfügt Audi dann allein in China über eine Produktionskapazität von 700 000 Fahrzeugen jährlich. Ähnliches gilt auch für die USA, wo Audi wieder erfolgreich ist. Die zweistelligen Wachstumsraten zwingen den Konzern, auch hier über ein eigenes Werk nachzudenken.

Leidet der Heimatmarkt unter dem geplanten Engagement im Ausland? Sicher nicht, sagt Stadler, allein in die beiden deutschen Werke Ingolstadt und Neckarsulm bei Heilbronn fließen in den nächsten fünf Jahren 8 Mrd. EUR zum Ausbau der Produktion. Viel spannender aber ist, dass angesichts der für US-Verhältnisse exorbitanten Spritpreise von rund 80 Cent pro Liter mehr und mehr Wagen mit deutscher Dieseltechnologie verkauft werden, obwohl der Treibstoff selbst teurer ist als Benzin: Vom kleinen A3 und dem Geländewagen Q7 wird schon die Hälfte mit Dieselantrieb verkauft.

Zwischen China und den USA rangiert Deutschland, erstmals seit 2008 wurde im Inland wieder die Viertel-Millionen-Marke geknackt. Diese starke Binnennachfrage hat denn auch die abnehmende Dynamik beim Export fast vollständig ausgeglichen.

Für die Mitarbeiter lohnen sich die Rekordergebnisse schon heute: Durchschnittlich 8250 EUR kassieren sie an Prämien, das sind in etwa zwei Monatslöhne. Hinzu kommt eine zusätzliche Rücklage für die Altersversorgung von 1000 EUR pro Kopf. Zudem wurden alle Lehrlinge und rund 400 Zeitarbeiter in feste Arbeitsverhältnisse übernommen, der Personalbestand wuchs um knapp 6 Prozent.

Ist die gegenwärtige Erfolgswelle, auf der Audi und die deutsche Premium-Konkurrenz Daimler und BMW sowie der Sportwagenbauer Porsche schwimmen, nur eine flüchtige Glückssträhne? Nein, sagt Stadler und rechnet vor: 62 Mio. Autos wurden im vergangenen Jahr weltweit verkauft, 85 Millionen (das ist ein gutes Drittel mehr), sollen es 2020 sein.

Der Premiummarkt aber wachse überproportional: von aktuell 5,6 auf 8,7 Millionen und damit um mehr als die Hälfte. Edelmarken im Allgemeinen und die großen Modelle ab dem Audi A6 im Besonderen werfen überproportional Gewinn ab. Audi, ergänzt Finanzchef Axel Strotbeck, gehört mit seiner auf 13,7 Prozent gekletterten Umsatzrendite zu den ertragsstärksten Firmen der Branche weltweit.

In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahrs hat Audi bereits 200 000 Autos ausgeliefert, ein Plus von 8 Prozent. Kein Wunder also, dass Strotbeck für 2012 ein Ergebnis verspricht, das sich trotz höherer Aufwendungen für neue Modelle und Fabriken am letztjährigen Niveau orientiert. 'Vorausgesetzt, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht wesentlich verändern.'
© Südwest Presse 02.03.2012 07:45
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