Lesestift Tiptoi wird zum Kassenschlager

Ravensburger holt Produktion von 3-D-Puzzles aus China zurück
Der Verkaufserfolg des audio-digitalen Lernspiels Tiptoi hat sogar die Verantwortlichen des Spieleherstellers Ravensburger überrascht. Der Lesestift soll auch 2012 der wichtigste Umsatzbringer sein.. Clemens Maier huscht ein Lächeln über die Lippen. Er hält das iPad über ein Puzzle. Das erkennt per Kamera und einer Software, dass es sich um ein Paris-Motiv handelt. Maier dreht sich langsam um seine eigene Achse, schaut auf den Bildschirm und auf das nächtliche Paris, gerade so als ob er auf dem Eiffelturm stünde und den Rundumblick genießen würde, wärend französische Akkordeon-Musik aus dem Lautsprecher kommt.

Der Urenkel des Verlagsgründers Otto Robert Maier und Vorstandsmitglied der Ravensburger AG ist bei dem traditionsreichen Spiele- und Puzzlehersteller dafür zuständig, dass das Unternehmen seinen reichen Fundus an Spielen, Puzzeln und Büchern für die digitale Welt interessant macht. Im Fall des Paris-Puzzles heißt das Stichwort Augmented reality. Dabei geht es darum, wie Verbraucher die Wahrnehmung der Wirklichkeit mittels Computern erweitern. 'Uns ist dabei immer wichtig, dass der inhaltliche Mehrwert im Vordergrund steht', sagt Maier.

Mit einem anderen Produkt ist das Familienunternehmen ausgesprochen erfolgreich. Vor zwei Jahren hatte Ravensburger den elektronischen Lesestift Tiptoi auf der Spielwarenmesse vorgestellt: ein karottengroßes Gerät mit einem optischen Lesekopf, Lautsprecher und einem kleinen Rechner. Seither hat das oberschwäbische Unternehmen 2,1 Mio. Tiptoi-Produkte verkauft, davon 750 000 Lesestifte.

Diese erkennen, wenn die Kinder ihn an eine bestimmte Stelle im Buch oder auf dem Puzzle halten. Und der Stift leitet Kinder an, die Themenwelten von Puzzeln und Büchern eigenständig zu ergründen. In diesem Jahr will Ravensburger 17 weitere Produkte herausbringen

Wie Finanzchef Jörg-Viggo Müller erläuterte, trug Tiptoi wesentlich zum Umsatzplus von 7,9 Prozent in Deutschland bei. Insgesamt steigerte Ravensburger den Umsatz um 2,5 Prozent auf 329 Mio. EUR. Müller begründete dies damit, dass in großen Spielwarenmärkten wie England, Frankreich, Italien und Spanien, vor allem die Bereiche wachsen würden, in denen Ravensburger nicht vertreten sei. 2012 will Ravensburger Tiptoi auch im Ausland anbieten, ebenso wie die 3-D-Puzzles, die sich an Kinder ab 10 Jahren und Erwachsene richtet.

Die Produktion der 3-DPuzzles hat Ravensburger aus China zurückgeholt und stellt sie nun selbst her. Müller begründete dies mit Qualitätsproblemen. Mittlerweile sind die 3-D-Puzzles überarbeitet. Dank einer neuen Technologie können Puzzle-Fans nun auch Bauwerke entstehen lassen. Nach einem Einbruch von 18 Prozent 2011 soll der Bereich jetzt wieder wachsen.

Im Geschäftsbereich Kinder- und Jugendbuch steigerte das Unternehmen den der Umsatz um 6,2 Prozent auf 70,1 Mio. EUR. Neben den Tiptoi-Produkten, die auch im Buchhandel verkauft werden, entwickelte sich Müller zufolge die Buchreihe 'Friendz' gut.

Während das ungewöhnlich warme Wetter an Ostern und im Herbst 2012 den Absatz von Spielen und Puzzeln gehemmt habe, legte die Besucherzahl im Spieleland um 20 000 auf 318 000 zu. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 7,6 Mio. EUR. Ravensburger fertigt 85 Prozent der Produkte in eigenen Werken in Europa. Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich im Jahresdurchschnitt um 170 auf 1640 Beschäftigte (umgerechnet auf Vollzeitkräfte). Am Stammsitz sind es 880 Mitarbeiter.
© Südwest Presse 01.02.2012 07:45
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