Für Auge und Umwelt

Innovationsfreude beschert deutscher Caravanbranche erfolgreiches Jahr
  • Auf der Reisemesse CMT präsentieren Hersteller ihre neuesten Wohnmobile und Wohnwagen. Am ersten Messewochenende kamen auch einige Familien mit kleinen Kindern, die sich für die rollenden Heime interessieren. Foto: Messe Stuttgart
Weg vom konservativen Image, hin zu Wohlgefühl und Umweltfreundlichkeit: Während der Krise haben die Hersteller von Wohnmobilen und Wohnwagen gutes Gespür bewiesen. Ihr Lohn ist ein Rekordjahr.Mut lohnt sich. Das hat Klaus Förtsch, Präsident des Caravaning Industrie Verbands Deutschland (CIVD), im Laufe des vergangenen Jahres festgestellt: 'Unsere Hersteller haben bei der Innengestaltung der Reisemobile und Wohnwagen hin und wieder etwas Modernes riskiert und damit den Nerv der Kunden getroffen.'

Im Caravanbereich der Stuttgarter Reisemesse CMT sehen die Besucher immer seltener klassische, konservativ anmutende Innenausstattung aus dunklem Holz. Drehbare Sitze aus weißem Leder und eine weiße Küche bietet etwa ein Reisemobil. Schränke aus hellem Holz mit hellgrünen und weißen Elementen lassen einen Caravan heller wirken. Ein anderer, klein, eiförmig und silbern, lädt im Inneren mit Sitz- und Schlafbereich in warmen Rottönen ein.

Ebenso wichtig wie das Design der Freizeitfahrzeuge ist für die Hersteller die Umweltverträglichkeit. 'Mit einem Wohnmobil weniger als 10 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer zu verbrauchen, schien noch vor wenigen Jahren undenkbar', sagte Förtsch auf einer Pressekonferenz im Rahmen der CMT. Doch moderne Motoren, Leichtbau und aerodynamische Formen machten dies bei neuen Fahrzeugen möglich. Auch bei Wohnwagen gehe der Trend zu kleineren und leichteren, aber dennoch komfortabel ausgestatteten Modellen.

Mit der Innovationsfreude der Hersteller erklärt Förtsch auch das Rekordergebnis, das die deutsche Caravanbranche im vergangenen Jahr erzielt hat. Nach dem Einbruch der Umsätze und Neuzulassungen in den Jahren 2008 und 2009 hatten die Hersteller neue Produkte entwickelt und ihre Produktionskapazitäten an die Situation angepasst. Mitarbeiter wurden entlassen, Kurzarbeit eingeführt.

Doch das ist nun vergessen. 'Die Delle der Finanzkrise haben wir endgültig hinter uns gelassen', sagte der CIVD-Präsident. 'Und der deutsche Markt hat zu einem großen Teil zum Wachstum beigetragen.' Nicht nur die Deutschen kauften 2011 mehr Wohnmobile und Wohnwagen, auch im Ausland setzten deutsche Hersteller mehr um als 2010. Zweistelliges Wachstum erzielten außerdem die Märkte für Gebrauchtfahrzeuge und Zubehör. 'Solche Zuwachsraten hatten wir zuletzt beim Boom der Wiedervereinigung', sagte Hans-Karl Sternberg, Geschäftsführer des Verbands.

Für dieses Jahr erwarten die Hersteller von Wohnwagen eine steigende oder stabile Inlandsnachfrage, jedoch fürchten 91 Prozent einen Rückgang der Exporte. Auf dem Wohnmobilmarkt hingegen geht die Mehrheit der Hersteller von Absatzzuwächsen im In- und Ausland aus. Das hat der CIVD in der jährlichen Befragung seiner Mitglieder herausgefunden.

Erfreulich für die Branche sei der demographische Wandel in Deutschland, sagte Verbandspräsident Förtsch. 'Unsere Kernzielgruppe der 50- bis 65-Jährigen wird größer und bleibt länger aktiv. Ihre Sehnsucht nach Abenteuer führt zu größerem Interesse für unsere Fahrzeuge und Urlaubsform.'

Am ersten Wochenende der CMT hat Förtsch allerdings den Eindruck gewonnen, dass sich wieder mehr Familien mit kleinen Kindern für Camping interessieren. Eine Familie mit drei Kindern habe zum Beispiel nach einem Stockbett mit drei Etagen in einem Caravan gefragt. 'Sonderanfertigungen bieten die Hersteller an', sagte er. Vielleicht ist auch das Mut, der sich lohnt.
© Südwest Presse 17.01.2012 07:45
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