Schenken mit Bedenken

Nach Weihnachten wirds meist billiger - Aber nicht für neue Smartphones oder Tablet-PCs
  • Schon vor Weihnachten wird mit Ermäßigung gelockt. Nach den Feiertagen sinken die Preise erfahrungsgemäß erneut. Wann soll gekauft werden? Foto: dpa
Der Einkaufsmarathon zu Weihnachten ist im vollen Gange. Doch nach den Feiertagen rutschen viele Preise ab. Also doch lieber einen Gutschein schenken? Bei manchen Produkten wäre das falsch.Ob Smartphones, Schmuck, Fernseher oder Bekleidung: Momentan jagt eine verlockende Preisoffensive die nächste. Vieles scheint schon mächtig reduziert zu sein. Der Einzelhandel tut sein Bestes, um die Kundschaft mit Rabattaktionen in die Geschäfte zu ziehen, wie Kai Falk, Geschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), erläutert.

Gleichzeitig wissen kostenbewusste Verbraucher aber auch: Pünktlich nach Weihnachten fallen die Preise. So mancher Schenker hat sich schon geärgert, wenn das Smartphone oder der Daunenmantel nach dem zweiten Feiertag plötzlich Dutzende Euro billiger war. Bei all den Super-Nachlässen vor und nach dem Fest stellen sich immer mehr Schenker die Frage: Wäre der Präsentekauf nach Weihnachten nicht schlauer, weil billiger?

'Als Kunde kann man im Vorteil sein, wenn man antizyklisch handelt', sagt Christian Fronczak, Sprecher des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv). Besonders im hektischen Weihnachtsgeschäft sei nur ganz schwer auszumachen, ob das angepriesene Schnäppchen tatsächlich so günstig ist.

Um die zunehmend preissensible Kundschaft nicht fürs wichtige Vorweihnachtsgeschäft zu verlieren, hat eine bundesweite Elektronikmarktkette jetzt ein Werbeversprechen auf eine 'Weihnachtspreisgarantie' gestartet: Verkaufen ihre Filialen ein Produkt nach dem Fest tatsächlich billiger als davor, gibt es zu viel Gezahltes zurück. Das sei eine Einzelaktion, erläutert Falk.

Ob ein Schenker noch vor Weihnachten zuschlägt oder nicht doch lieber einen Gutschein für die Rabattaktion nach dem Fest verschenkt, hänge immer auch vom Geschenk selbst ab, betont Thomas Grund von Stiftung Warentest. Beispiel Mode und Textilien: Bei Produkten wie Bekleidung und Accessoires wird der Rotstift alle Jahre wieder kräftig nach dem Fest der Liebe angesetzt. Denn: Je wärmer der Winter, desto voller die Lager. Unmittelbar nach den Feiertagen stehe 'sehr schnell die neue Saison an', erläutert Falk. Dann muss Platz her für die neue Ware.

Ähnlich ist es auch bei Möbeln, Deko und Einrichtungsgegenständen. Auch wenn jetzt die Zeitungen dick und schwer sind vor lauter Werbebeilagen, gibt es vieles mit dem Modellwechsel im Januar oft noch günstiger. Die traditionellen 'weißen Wochen' mit kräftigen Nachlässen auf Geschirr und Haushaltswaren sind schon seit Jahren der Geheimtipp für Kenner.

Ganz anders sieht es bei Elektronik-Produkten aus. Die Preise für neue Hightech-Geräte sind schon jetzt, zum Weihnachtsgeschäft, einsame Spitze, so die Einschätzung des Branchenverbands Bitkom. Ob moderne Flachbildfernseher, Tablet-PCs oder Smartphones: Nach Weihnachten wird es auch nicht billiger. 'Da lohnt es sich nicht, auf einen Spareffekt zu hoffen', sagt Bitkom-Experte Michael Schidlack. Schnäppchen seien höchstens bei Auslaufmodellen drin.

Wer gezielt Wünsche erfüllen oder bestimmte Marken, Modelle und Größen unter den Tannenbaum legen will, dem bleibt sowieso nichts anderes übrig, als noch vor dem Fest auf Geschenkejagd gehen. Nach dem Adventstrubel haben Schenker schlechtere Karten, das Gesuchte garantiert noch zu finden, gibt Falk zu bedenken.
© Südwest Presse 16.12.2011 07:45
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