Neuer Celesio-Chef spart und streicht Stellen

Stuttgarter Pharmagroßhändler will sich wieder auf das Stammgeschäft konzentrieren
  • Eine Mitarbeiterin des Pharmahändlers Celesio bestückt in der Firmenzentrale in Stuttgart eine Kommissioniermaschine. Foto: dpa
Zurück zum Kerngeschäft: Nach dieser Devise krempelt der neue Celesio-Chef Markus Pinger den Stuttgarter Pharmagroßhändler um. Zum Sparprogramm gehört auch der Abbau von Arbeitsplätzen.In der von Sparzwang und Rabattschlachten gebeutelten Pharmabranche zieht der Großhändler Celesio die Notbremse. Die Nummer zwei auf dem deutschen Markt kündigte einen drastischen Konzernumbau an. Celesio wolle sich künftig auf das Kerngeschäft konzentrieren: den Großhandel mit Arznei und die Verbindung zu den Apotheken. Damit bricht der erst seit dem Sommer amtierende neue Konzernchef Markus Pinger mit der bisherigen Strategie, die auf eine Ausweitung der Tätigkeiten setzte - unter anderem auf Dienstleistungen für das Gesundheitswesen. 'Im Nachhinein ist man immer schlauer', sagte Pinger zu der Rosskur, die er der 47 000 Mitarbeiter zählenden Celesio verordnete.

Die Details: Die zum Duisburger Mischkonzern Haniel gehörende Celesio könnte von drei auf zwei Geschäftssparten schrumpfen. Geprüft werde der Verkauf des Geschäfts, das unter Movianto firmiert und Dienstleistungen und Logistik für Pharmakonzerne erbringt. Auch der Personaldienstleister 'Pharmexx' steht zur Disposition. Einen möglichen Kaufpreis oder denkbare Interessenten nannte Pinger nicht.

Die Säule stehe für etwa 700 Mio. EUR Jahresumsatz von insgesamt rund 23 Mrd. EUR, die Celesio 2010 erwirtschaftet hat. Allerdings arbeiten 5400 Mitarbeiter in der Sparte. Zu möglichen Jobverlusten durch den Umbau wollte der Celesio-Chef noch nichts Konkretes sagen. Er versprach aber: 'Wir versuchen das so sozialverträglich wie möglich zu machen und auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.' Möglichkeiten bestünden beispielsweise in Altersteilzeit oder der Nichtbesetzung offener Stellen. Nachdem der langjährige Vorstandschef Fritz Oesterle Ende Juni das Unternehmen verlassen hatte, müssen nun Finanzvorstand Christian Holzherr und auch Michael Lonsert, der das (Dienstleistung für Pharmahersteller). Letzterer scheidet zum Jahresende aus, Holzherr verlässt Celesio bereits einen Monat früher.

Das Umkrempeln des Konzerns solle zunächst zu einmaligen Kosten von bis zu 100 Mio. EUR führen. Schon 2012 solle die Reform das Ergebnis stabilisieren und in den Jahren danach mindestens 50 Mio. EUR Einsparungen bringen. Das alles steht vor dem Hintergrund der roten Zahlen, die Celesio zuletzt schrieb - auch wegen der Investitionen außerhalb des Kerngeschäftes.

Die Prognose fürs Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen für 2011 schraubte das Unternehmen nach unten: von rund 600 auf 575 Mio. EUR - vor Einmalaufwendungen. Das Gesamtjahr solle aber mit schwarzen Zahlen abgeschlossen werden.

Endgültig auf Eis gelegt ist der Plan, mit der 2007 übernommenen Internetapotheke Doc Morris einen neuen Apothekenarm in Deutschland auszubauen. Die deutsche Apothekerschaft hatte damals in ihrem Partner Celesio neue Konkurrenz gewittert und nicht wenige kehrten dem Lieferanten den Rücken. Nach Branchenangaben büßte Celesio bis zu 2 Prozent Marktanteil ein. Aktuell entfallen auf den Konzern etwa 16 Prozent am insgesamt 25 Mrd. EUR schweren Pharmagroßhandel in Deutschland. Damit teilt sich Celesio Platz zwei mit der Anzag (Frankfurt). Unangefochtener Branchenprimus mit knapp 30 Prozent ist Phoenix (Mannheim).
© Südwest Presse 27.10.2011 07:45
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