Merkel wirbt für den Euro

EU-Kommission: Schuldenkrise wird zur Konjunkturbremse
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel legte bei der Eröffnung der IAA in Frankfurt ein Bekenntnis zum Euro ab. Foto: dapd
Bundeskanzlerin Angela Merkel bekennt sich zum Euro. Bei der Eröffnung der Frankfurter Autoshow IAA betonte sie, dass das Wachstum in Deutschland nicht zuletzt auf der Gemeinschaftswährung fußt.Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte bei der Eröffnung der IAA in Frankfurt der Industrie ihren vollen Einsatz für die Überwindung der Euro-Schuldenkrise zu. Dabei legte sie ein klares Bekenntnis zum Euro und zur Rettung der Währungsunion ab: 'Der Euro hat sich bewährt.' Der deutsche Wirtschaftserfolg baue wesentlich auf dem europäischen Binnenmarkt und dem Euro auf.

Von den stabilen Zinsen profitierten die Unternehmen, auch die Hersteller und Zulieferer in der Autoindustrie: 'Der Euro sorgt für Wirtschaftswachstum, er sorgt für Arbeitsplätze und damit für Wohlstand in Deutschland.' Gerade die deutsche Autobranche habe mit einem Marktanteil von mehr als 47 Prozent in den EU-Ländern wichtige Absatzmärkte. Auf Dauer werde es Deutschland nur gutgehen, wenn die Europäische Union insgesamt stark und wettbewerbsfähig sei. Deutschland stehe aus ureigenstem Interesse in der Verantwortung und werde seinen Beitrag zu leisten, um die Zukunft des Euro zu sichern und den Standort Europa zu stärken, betonte Merkel.

Der Chef der 'Taskforce Griechenland', Horst Reichenbach, hat derweil von Europa entschlossenes Handeln gefordert, um Griechenland bei der Überwindung seiner tiefen Krise zu helfen. 'Die Zeit drängt sehr', sagte Reichenbach in Athen, wo er vor Journalisten erste Ansatzpunkte der Arbeit der Taskforce vorstellte. Die Griechen bräuchten Planungssicherheit, wann welche Maßnahmen auf den Weg gebracht werden könnten. Griechenland stehen aus Brüsseler Fördertöpfen bis 2013 rund 14 Mrd. EUR zur Verfügung. Wegen fehlender Projekte und fehlenden Geldes zur Gegenfinanzierung konnten die Behörden bislang aber nur 30 Prozent der Mittel abrufen. Geht es nach der Kommission, sollen Griechenland und andere Länder künftig nur noch 5 Prozent der Hilfe gegenfinanzieren müssen. Der Absenkung der Quote haben die Mitgliedsstaaten und das Parlament aber noch nicht zugestimmt.

Großes Potenzial sieht der Taskforce-Chef unter anderem im Ausbau der griechischen Infrastruktur. Hier könnten mit Hilfe der Union 'mehrere tausend Arbeitsplätze' entstehen, betonte er. Als weitere mögliche Ansatzpunkte für europäische Hilfe nannte Reichenbach den Ausbau der Informationstechnologie sowie Verbesserungen im öffentlichen Gesundheitssystem.

Unterdessen bremst die Schuldenkrise das Wachstum in der Euro-Zone nach Einschätzung der EU-Kommission fast vollständig. Die Brüsseler Behörde korrigiert ihre Prognose für das zweite Halbjahr 2011 deutlich nach unten. An einen Rückfall in die Rezession glaubt sie aber nicht.

Für die Euro-Zone mit ihren 17 Mitgliedern droht nach Einschätzung der konjunkturelle Stillstand: Die Kommission senkte die Prognose um insgesamt einen halben Prozentpunkt nach unten. Demnach wird die Wirtschaft im dritten Vierteljahr nur noch um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zulegen, im vierten Quartal 2011 um 0,1 Prozent.

Die Schwäche ist auch auf das nachlassende Wachstum in Deutschland zurückzuführen. Die deutsche Wirtschaft wird laut Prognose im vierten Quartal nur noch um 0,2 Prozent zulegen. Für Italien erwarten die Experten das Abrutschen in die Stagnation, für Spanien ein Mini-Wachstum. dpa/dapd
© Südwest Presse 16.09.2011 07:45
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