Konzerne mit Imageproblem

Studie von Ernst & Young zeigt: Kein Vertrauen bei Verbrauchern
  • Golf-Montage in Wolfsburg: Der Volkswagen-Konzern schneidet bei der Studie von Ernst & Young 'Erwartungen und Wirklichkeit' am besten ab. Foto: dapd
Jobs schaffen und den Standort Deutschland voranbringen - das trauen die Deutschen den großen Unternehmen zu. Doch bei Umweltschutz, Korruptionsbekämpfung und Frauenförderung sieht das ganz anders aus.Was sollte die wichtigste Aufgabe für ein Unternehmen sein? Arbeitsplätze schaffen und halten, sagen die Menschen in Deutschland und sind sich ziemlich einig, dass Arbeitsplätze vor allem bei Volkswagen, Siemens und Daimler in guten Händen sind. An zweiter Stelle der dringlichsten Aufgaben steht der Umweltschutz. Doch da will den Bürgern so recht kein Konzern mit Vorbildfunktion einfallen.

Das zeigt eine Umfrage der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Ernst & Young (E&Y) auf. Ihr Ergebnis ist bemerkenswert angesichts der Anstrengungen, die deutsche Konzerne zunehmend in das Gebiet gesellschaftlicher Verantwortung ('Corporate Social Responsibility') stecken. Die 'weichen' Faktoren auf Gebieten wie Umweltschutz, Moral und Anstand im Geschäftsleben oder Frauenförderung scheinen die Menschen entweder nicht genügend zu registrieren - oder sie nehmen den Firmen deren angeblichen Anstrengungen gar nicht erst ab. Beides ist problematisch, denn Wirtschaftskraft und glänzende Geschäftszahlen alleine reichen im Wettbewerb heute nicht mehr aus.

So schreibt etwa Volkswagen in seinem aktuellen Geschäftsbericht: 'Die Empfehlungen und Entscheidungen der Finanzmarktteilnehmer basieren nicht nur auf den ökonomischen Kennzahlen, sondern zunehmend auch auf Auskünften der Unternehmen über ihr Nachhaltigkeitsprofil.' Übersetzt heißt das: Für Aktionäre macht inzwischen auch der Ton die Musik.

Nach Einschätzung von VW betrachten Analysten und Investoren ein umfassendes Engagement im Interesse der Nachhaltigkeit heute als Hinweis für eine zukunftsorientierte Unternehmensführung. 'Die Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass ihre Leistungsfähigkeit nicht länger nur anhand von Gewinn- und Umsatzzahlen gemessen wird', sagt Beratungsexperte Mark Smith, Partner bei Ernst & Young. Mittlerweile sei es ebenso wichtig, 'dass die Unternehmen einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten, dass sie sich für den Umweltschutz einsetzen und vor allem wirksame Maßnahmen gegen Korruption ergreifen'. Doch die Bemühungen auf diesen Feldern dringen nicht zum Bürger durch. Die Umfrageergebnisse dürften für viele Marketingabteilungen ein Dämpfer sein: So sagen zwar locker zwei von drei Befragten (68 Prozent), dass ihnen Umweltschutz und Nachhaltigkeit bei Unternehmen sehr wichtig sind. Damit rangiert das Thema auf Platz zwei hinter der Beschäftigungsentwicklung (73 Prozent) und vor der Innovation (62 Prozent). Doch gut jedem Dritten (34 Prozent) fällt gar kein Konzern ein, der sich um die Umwelt verdient gemacht hätte. Mit einem relativ geringen Wert (10 Prozent der Antworten) gewinnt VW diese Kategorie, gefolgt von Eon (8 Prozent) und Siemens (7 Prozent).

Zum Vergleich: Beim Thema Jobs wusste nur rund jeder Fünfte (22 Prozent) kein Vorbild. Jede vierte Antwort (24 Prozent) entfiel auf den VW-Konzern, was den Wolfsburgern den Spitzenplatz sicherte - vor Siemens (14 Prozent) und Daimler (10 Prozent). Noch schlechter schneiden die großen Unternehmen bei den Themen sozialer Einsatz und Frauenförderung ab - kein Unternehmen kommt auf zweistellige Werte. Bei der Frauenförderung weiß sogar die Hälfte der Befragten keine vorzeigbare Firma.
© Südwest Presse 12.07.2011 07:45
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