KONJUNKTUR-REPORT: Stellenboom stärkt Handel

Die Optimisten unter den Konjunkturexperten sehen die deutsche Wirtschaft zur Jahresmitte auf Rekordkurs. Liegt das Institut für Makroökonomie richtig, steht für 2011 ein Wachstum von 4,0 Prozent ins Haus. Das wäre die dynamischste Aufwärtsentwicklung seit der deutschen Wiedervereinigung.

Die Chancen stehen gut, dass die gewerkschaftsnahen Wirtschaftsforscher richtig liegen. Darauf deuten auch die Zahlen hin, die das Statistische Landesamt für Baden-Württemberg bietet: Nach einem Wachstumssprung von 5,25 Prozent in den ersten drei Monaten rechnen die Stuttgarter Statistiker für die Monate April bis Juni mit einem Plus von 3,5 Prozent. Damit ist das Loch zugeschüttet, das die Wirtschaftskrise 2009 mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 7,1 Prozent allein im Land gerissen hatte.

Das Beste an dieser wider alle Erwartungen erfreulichen Aufwärtsdynamik ist, nicht so sehr, dass Deutschland unter den Industrieländern am schnellsten den Rückschlag ausbügeln konnte. Es ist vielmehr darin zu finden, dass die heimische Konjunktur auch nach der globalen Rezession auf zwei kräftigen Pfeilern steht. Sie lebt damit nicht mehr allein vom Export. Besonders ausgeprägt gilt dies für den Südwesten, der beim Neugeschäft in den ersten vier Monaten des Jahres ein Plus von 13,9 Prozent aufwies. Dabei betrug der Zuwachs bei den Inlandsaufträgen 13,8 und im Exportgeschäft 14,1 Prozent.

Von Zuwächsen kann endlich auch der Handel berichten - auch wenn sich der Umsatz noch nicht stetig, sondern eher im Stil einer Achterbahn aufwärts entwickelt. Der Handel profitiert dabei unzweideutig von der kräftigen Belebung am Arbeitsmarkt. Allein im Juni gab es bundesweit gut 254 000 Stellensuchende weniger als im selben Monat des Vorjahres.

Verstärkt wird dieser Kaufkraftschub aufgrund der steigenden Beschäftigung durch die Einkommensentwicklung. So lagen die inflationsbereinigten Einkommen im Südwesten im ersten Quartal um etwa 1,5 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Tendenz steigend, da wegen der weniger kräftig anziehenden Öl- und Spritpreise, die Teuerung im Juni auf 2,3 Prozent zurückging. Bleibt es bei der jüngsten Entspannung beim Preisanstieg, dann wird sich die Konsumgüterkonjunktur noch mehr zur Wachstumsstütze entwickeln. NIKO FRANK
© Südwest Presse 02.07.2011 07:45
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