KOMMENTAR: Grenzenlose Erkenntnis

Das Konzept ist immer wieder das gleiche: Ein Internetdienst bietet einen kostenlosen Service an. Auf den ersten Blick scheint die Möglichkeit hilfreich und nützlich zu sein. Eine Funktion, die sich abschalten, eine Wirkung, die sich eingrenzen lässt. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass etwas erreicht wird, was man gar nicht will und vor allem einer davon profitiert - der Internetdienst.

Facebook hat mit der Gesichtserkennung die Büchse der Pandora geöffnet. Die Gefahr: Mit der Selbstverständlichkeit, der Gewöhnung, der Allgegenwart dürfte diese Funktion einmal alle Internet-Fotos umfassen. Jeden Monat werden 2,5 Mrd. Bilder bei Facebook hochgeladen, da ist der Schritt zur Grenzenlosigkeit nicht weit.

Facebook selbst kann alle Fotos katalogisieren. Wer weiß schon, was in den Facebook-Computern mit Namen und Gesichtern geschieht? Der Dienst kennt seine Mitglieder - nun auch vom Aussehen.

Schließlich liegt der nächste Schritt nahe: Einem auf der Straße aufgenommenen Gesicht können in Sekunden alle im Internet verfügbaren Daten zugeordnet werden: Wie alt? Wohnort? Name?

Im Internet ist es unhöflich geworden, Abgebildeten ihre richtigen Namen öffentlich zuzuordnen. Facebook tritt diese Bemühungen mit Füßen. THOMAS VEITINGER
© Südwest Presse 09.06.2011 07:45
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