KOMMENTAR: Erst zu lasch, jetzt zu streng

Die Maschinenbauer sind eine wichtige Stütze der deutschen Wirtschaft. Gerade die mitunter als engstirnig und behäbig abgekanzelten Mittelständler haben in der Krise erstaunliche Fähigkeiten gezeigt, die vor allem auch bei Betriebsräten und Gewerkschaften höchste Anerkennung gefunden haben. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung wurden hoch gehalten, die Mitarbeiter blieben im Job. Mit Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit wurden die Lücken überbrückt. Nur deshalb können die Firmen jetzt die anhaltende Auftragsflut bewältigen.

Als eher hinderlich im Aufschwung erweisen sich Banken und Sparkassen. Monate dauert die Bearbeitung eines Kredits, weil nicht mehr der Filialleiter vor Ort entscheidet, sondern die Zentrale. Diese verlangt Berge von Unterlagen und handelt ganz im Gegenteil zu dem, was sich die Banker nach auf die Fahnen geschrieben haben: mehr Offenheit und Klarheit.

Indem die Herren des Geldes die Kreditgewährung verschleppen, verursachen sie die nächsten Probleme, weil den Unternehmen die notwendige Liquidität fehlt. Wo Banker früher viel zu lasch waren, sind sie jetzt viel zu streng. Mehr Weitblick wäre zu wünschen. Das hält langfristig Kunden bei der Stange. Zum Beispiel aus dem Maschinenbau. ROLF OBERTREIS
© Südwest Presse 21.12.2010 07:45
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