Naturschützer kritisieren Bau neuer Stromnetze

In Deutschland müssen laut einer Studie bis zu 3600 Kilometer neue Stromtrassen gebaut werden. Umweltverbände kritisieren diese Vorschläge.Um den angepeilte Ökostrom-Anteil von knapp 40 Prozent sinnvoll ins Netz einzuspeisen, ist ein massiver Ausbau des Stromnetzes nötig. Bei Verwendung herkömmlicher Technik müssen demnach 3600 Kilometer Höchstspannungstrassen gebaut werden. Das ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Energie-Agentur.

Laut Dena betragen die Kosten für diese 'Basisvariante' einschließlich des Anschlusses der Offshore-Windparks 9,7 Mrd. EUR. In der Studie hat die Dena untersucht, wie das Stromsystem in Deutschland bis zum Zeitraum 2020/25 ausgebaut und für die neuen Herausforderungen optimiert werden kann. Ein Ausbau des Netzes mit Erdkabeln würde laut Dena bis zu 29 Mrd. EUR kosten. Auch die anderen Alternativen, um das Netz auszubauen, würden mehr als 9,8 Mrd. EUR kosten. Dena-Chef Stephan Kohler sagte: 'Das fehlende Stromnetz darf nicht zum Flaschenhals werden, der den Ausbau der erneuerbaren Energien bremst.'

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) betonte angesichts des erheblichen Erweiterungsbedarfs, der Ausbau müsse kosteneffizient erfolgen. Nur so würden bezahlbare Strompreise für die Wirtschaft und die privaten Haushalte gewährleistet. Dabei dürften aber die Interessen der vom Netzausbau betroffenen Bürger nicht unberücksichtigt gelassen werden. 'Deshalb sollten im Einzelfall auch alternative Übertragungstechnologien in Betracht gezogen werden', sagte Brüderle.

Der angestrebte Neubau von bis zu 3600 Kilometern überirdischer Stromleitungen stößt bei den Umweltverbänden jedoch auf scharfe Kritik. Die Deutsche Umwelthilfe, der Bund für Umwelt und Naturschutz und die Umweltstiftung WWF erteilten den Dena-Vorschlägen eine klare Absage. Wer binnen zehn Jahren 3600 Kilometer neue Überlandleitungen durch Deutschland treiben wolle, werde am Widerstand der betroffenen Anwohner und des Naturschutzes scheitern, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake. dapd/dpa
© Südwest Presse 24.11.2010 07:45
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