Kauflaune treibt Wachstum

Konsumforscher: 'Die Deutschen sind derzeit die Optimisten in Europa'
  • Die Konsumforscher sind sich sicher: Weihnachten wird dieses Jahr für den Einzelhandel eine runde und glänzende Sache werden. Foto: dpa
Während im Ausland die Krise schwer auf die Laune drückt, sind Deutschlands Konsumenten ausgesprochen froh gestimmt. An Weihnachten wollen sie kräftig zulangen. Den Einzelhandel freut es.Der deutsche Einzelhandel kann sich auf ein gutes bis sehr gutes Weihnachtsgeschäft einstellen. Rund 14 Mrd. EUR werden die im Vergleich zu früheren Jahren ausgesprochen optimistischen Verbraucher in Deutschland für Weihnachtsgeschenke ausgeben, sagt die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) nach einer Umfrage unter rund 4200 Bundesbürgern. 'Die Deutschen sind derzeit die Optimisten in Europa', sagte GfK-Chef Klaus L. Wübbenhorst gestern in Frankfurt.

Ein Grund sei die deutlich gesunkene Arbeitslosigkeit. Euro- und Schuldenkrise würden dagegen die Konsumlaune nicht bremsen. Für das Gesamtjahr rechnet Wübbenhorst mit einem Plus beim privaten Konsum von 0,5 Prozent. 2011 könne es sogar mit 1,0 Prozent nach oben gehen: 'Die Verbraucher leisten ihren Beitrag zum Wachstum.'

Gestützt werden die Ergebnisse durch die jüngste GfK-Konsumklimastudie für November. 'Die Verbraucher sind in vorweihnachtlicher Konsumlaune, die Stimmung hat sich im November noch einmal deutlich verbessert', sagt Wübbenhorst. Nachdem es im Oktober bei den Einkommenserwartungen und der Anschaffungsneigung noch einen Dämpfer gegeben hatte, stünden die Ampeln aus Sicht der Verbraucher jetzt eindeutig auf Grün. 'Das Vorkrisen-Niveau bei der Konsumstimmung ist wieder erreicht.'

Für die Konjunktur sind die Bundesbürger so optimistisch wie zuletzt vor drei Jahren. Man könne sogar von Konjunktureuphorie sprechen. Die Verbraucher erwarten auch steigende Einkommen: 'Die Binnennachfrage wird mehr und mehr zu einer verlässlichen Stütze der Konjunktur.'

Dies sind für den Konsumforscher glänzende Vorgaben für das Weihnachtsgeschäft, zumal auch mehr als 50 Prozent der Beschäftigten Weihnachtsgeld überwiesen bekämen. Die Folge: 93 Prozent der Deutschen wollen Weihnachtsgeschenke kaufen und dafür im Schnitt rund 245 EUR ausgeben. Bei Haushalten mit einem Nettoeinkommen von mehr als 3500 EUR sollen es sogar im Schnitt 366 EUR sein.

Das meiste Geld wollen die Deutschen mit etwa 2,6 Mrd. EUR für Unterhaltungselektronik, Computer, Fernseher, Handys und Spielekonsolen auf den Ladentisch legen; rund 1,7 Mrd. EUR entfallen auf Bekleidung. Danach folgen Spielwaren mit 1,5 Mrd. EUR. Für diese Branche ist das extrem wichtig, weil 36 Prozent des Jahres-Umsatzes mit Weihnachtsgeschenken erzielt wird. Auch der Buchhandel kann sich auf satte Umsätze von mehr als 1,0 Mrd. EUR einstellen, was rund ein Viertel des Jahresumsatzes bedeutet. Für 700 Mio. EUR werden Abos und Konzerttickets verschenkt, für 670 Mio. EUR Einrichtungsgegenstände und für jeweils deutlich mehr als 600 Mio. EUR Lebensmittel und Getränke, Schmuck und Uhren sowie Kosmetik und Parfum. Schließlich werden für 1,1 Mrd. EUR Gutscheine verschenkt.

Der Einzelhandel in den Euro- und europäischen Staaten wird nach Einschätzung von Wübbenhorst mit Neid auf das Weihnachtsgeschäft in Deutschland blicken. Denn während der Indikator für die Anschaffungsneigung in Deutschland mit 25 Punkten im Plus liegt, steht er jenseits der Grenze mit Raten zwischen 9 und 32 Punkten deutlich im Minus. Die Schuldenkrise hinterlässt bei den Verbrauchern in diesen Ländern deutliche Spuren.

Für die gute Konsumlaune gibt es auch eine gewissermaßen amtliche Bestätigung: Das Statistische Bundesamt schätzt das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal auf 0,7 Prozent. Auf Jahressicht steht damit ein Plus von 3,9 Prozent zu Buche.
© Südwest Presse 24.11.2010 07:45
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