BMW-Chef: Krise war gut für uns

In diesem Jahr geht es der Autoindustrie gut. Aber es warten gewaltige Herausforderungen auf die Branche, glaubt BMW-Chef Norbert Reithofer.'Die größte Gefahr für BMW ist der Erfolg.' Dieser Satz stammt nicht etwa von einem Analysten oder Branchenexperten - sondern vom BWM-Chef selbst. 'Nachlässigkeit können wir uns nicht leisten', warnte Norbert Reithofer gestern beim Tag der Automobilwirtschaft in Nürtingen (Landkreis Esslingen). 'Wir müssen uns vorbereiten und dürfen nicht arrogant sein', sagte der Vorstandsvorsitzende im Gespräch mit Willi Diez, dem Direktor am Institut für Automobilwirtschaft Geislingen.

In den kommenden fünf bis zehn Jahren werden Hersteller aus Ländern wie China und Indien auch im Luxusbereich zu Konkurrenten, glaubt Reithofer. Gewaltige Herausforderungen warten auf Autohersteller durch sich ändernde Antriebs- und Mobilitätskonzepte, Erwartungen und Vorgaben. 'Deshalb war auch die Krise 2008 und 2009 für uns gut. Es waren wichtige Jahre der Veränderung', sagte Reithofer.

'Wir freuen uns alle, wie 2010 läuft', sagte der BMW-Chef. 'Aber die Zukunft wird volatiler sein.' Die Branche befindet sich in der Transformation, im Umbruch und Aufbruch. Die Wissenschaft ist genauso gefordert wie die Politik und die Energieindustrie. Eine Zukunftsfacette allein wird es nicht geben, sondern viele verschiedene. Die Branche ist trotz guter Verkaufszahlen weiter bestimmt von der Mischung aus Selbstbewusstsein und Unsicherheit.

Beispiel Antrieb. Zwar hat BMW laut Reithofer Verbrauch und Schadstoffe deutlich verringern und die Leistung steigern können. Doch Gesetzgeber fordern eine weitere Reduzierung. Der CO2-Ausstoß soll 2020 um 30 Prozent unter dem des Jahres 2008 liegen. Gleichzeitig muss aber ein Sportwagen ein Sportwagen sein, denn die Verbraucher sind zwar offen für neue Technologien, wollen aber keinen Verzicht üben. Auch der Trend zu Mega-Citys machten emissionsfreies Fahren notwendig. Das neue Material Carbon, Alu und Elektroantrieb sind die Zukunft - mit Übergangszeiten: Bis 2020 sollen 5 bis 15 Prozent der Autos Elektrofahrzeug sein.

Laut Diez wird der Weltautomarkt von 54,3 Mio. Fahrzeugen 2010 auf 74 Mio. 2020 steigen. Der deutsche Markt entwickelt sich 2011 mit 3,2 Mio. Neuwagen positiv, nach knapp 2,9 Millionen 2010.
© Südwest Presse 21.10.2010 07:45
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